Nach Rot rotgesehen

Knie- und Kopfstoß von Spielertrainer gegen Schiri - 2.000 Euro Strafe

GUNZENHAUSEN (nd) Wegen eines unschönen Vorfalls bei einem Hallenfußballturnier trafen sich ein Schiedsrichter und ein Spielertrainer erneut vor dem Amtsgericht Neumarkt. Der Kicker soll dem Referee das Knie in den Unterleib gestoßen und ihm noch zwei Kopfstöße verpasst haben. Obwohl die Tat abgestritten wurde, hat das Gericht das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt.

Anfang Januar kickt eine „Jura-Gruppe“ im Rahmen der Hallenrunde in Freystadt. Das Zuschauerinteresse hielt sich angesichts von Vereinen aus dem Raum Weißenburg naturgemäß in Grenzen. Eine Partie lief jedoch etwas aus dem Ruder: Nachdem der Schiedsrichter zwei Zeitstrafen gegen ein Team ausgesprochen hatte, geigte ihm der Spielertrainer wutentbrannt seine Meinung. „Draußen werden dir deine Karten nichts helfen“, habe er gesagt – und das vor Gericht auch zugegeben.

Nach der Roten Karte soll der 48-Jährige dem Schiedsrichter das Knie in den Unterleib und zweimal den Kopf ins Gesicht gestoßen haben, was zum Spielabbruch führte. Am nächsten Tag attestierte ein Arzt dem Mann aus dem südlichen Landkreis Neumarkt eine Schädel- und Unterbauchprellung und schrieb ihn für eine Woche krank. Der Verband sperrte den Schiedsrichter für neun Monate.

Bis zur Roten Karte sei das alles so richtig, entgegnete nun der Angeklagte. „Aber ich habe ihn nicht angefasst.“ Er verwies im Gegenzug darauf, dass der „schwarze Mann“ in der Folgezeit noch zwei weitere Spiele gepfiffen habe. Ja schon, meinte dazu der Geschädigte, weil er zunächst noch keine Schmerzen verspürt habe; deswegen habe er das Turnier durchgezogen. Ein bisschen Eis auf die getroffene Augenbraue – und nach einer Pause ging es weiter.

Währenddessen sei der zweite Turnier-Schiedsrichter für ihn eingesprungen. Der Kollege hatte die Tätlichkeit von der Hallen-Stirnseite aus beobachtet und stützte die Version des Referees ebenso wie der Hallensprecher. Nach den beiden Zeugen der Anklage wollte der Verteidiger eigentlich „seine“ Zeugen präsentieren, allesamt Teamkollegen des Spielertrainers. Doch verzichtete er wohlweislich auf deren Aussagen, zu unglaubwürdig war inzwischen die ursprüngliche Version seines Mandanten geworden. Also schlug er dem Gericht eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit gegen eine Geldauflage vor, womit sich Richter und Staatsanwältin nach reiflicher Überlegung dann auch einverstanden erklärten.

Das Ende vom Lied: Der 48-Jährige zahlt je 1000 Euro an den Schiedsrichter und ans BRK. Oder doch nicht ganz das Ende: Es läuft noch eine Zivilklage, dabei geht es um Schmerzensgeld.


Altmühlbote vom 13.08.2010