Fußballvereine wehren sich gegen die B-Klasse
Den Bericht vom 04.02.2010 vom Eichstätter Kurier lesen Sie hier!
 
Visionen für eine bessere Zukunft
entnommen aus: Eichstätter Kurier vom 04.02.2010 von Thomas Stoll

Eichstätt (EK) Wie der Amateurfußball in Bayern fit für die Zukunft gemacht werden soll, lässt der Bayerische Fußball-Verband auf den anstehenden Kreis- und Bezirkstagen diskutieren. Auf der Agenda stehen dabei zahlreiche Vorschläge, wie der Fußballsport attraktiver gemacht werden könnte.

Spielermangel bei den Vereinen, Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung infolge des demografischen Wandels und einer veränderten Freizeit- und Medienwelt – all das sind Probleme, für die der BFV Lösungen finden will. Auch für die hohe Zahl an Freizeitfußballern, die nicht in Vereinen organisiert sind, will der Verband attraktiver werden. Nachfolgend werden die zur Diskussion gestellten Themen vorgestellt und von Experten aus dem Fußballkreis bewertet.

Play-off: Im Gegensatz zum Eishockey ist hier kein K.-o.-System angedacht. Statt dessen sollen etwas kleinere Gruppen – Kreisspielleiter Anton Pfahler spricht von Achter- oder Zehnerligen – in einer Hin- und Rückrunde die Teilnehmer an den Auf- beziehungsweise Abstiegsplay-offs ermitteln, die dann wieder bei null Punkten starten. "Im Frühjahr gäbe es keine abgeschlagenen oder weit enteilten Mannschaften, was die Spannung erhöht", erklärt Pfahler. Problematisch und durchaus abschreckend: Bei Punktgleichheit mehrerer Mannschaften müssten vor Beginn der Play-offs gegebenenfalls noch Tabellenbereinigungsspiele durchgeführt werden – nach Abschluss der Play-offs vielleicht nochmals. Wenig abgewinnen kann dieser Idee der Thalmässinger Spielertrainer Jens Grimm: "Es gefällt mir schon beim Eishockey nicht, dass die Vorrunde kaum einen Einfluss auf die Meisterschaft hat." Prinzipiell überlegenswert finden die Play-offs dagegen Heidecks Trainer Jürgen Zwickel und Abteilungsleiter Hans-Peter Jüllig vom TV Hilpoltstein. "Vielleicht probiert man es in vereinzelten Klassen mal aus, es hat sicher seinen Reiz", meint Zwickel. Von positiven Erfahrungen im Jugendbereich anderer Landesverbände berichtet Hans-Peter Jüllig und findet die Idee überlegenswert. "Aber ich glaube nicht, dass sie viele Freunde finden wird."

Verminderte Spielerzahl: Geht auf eine Idee von DFB-Präsident Theo Zwanziger zurück, um der sinkenden Zahl an Fußballern entgegen zu wirken. Im Jugendbereich gibt es bereits die so genannten Kleinfeldmannschaften. "Das würde im Herrenbereich mit Sicherheit auf untere Klassen beschränkt sein", sagt Anton Pfahler. Ein striktes Nein kommt bei diesem Punkt von Jürgen Zwickel: "Fußball ist Elf gegen Elf." Auch Jens Grimm findet diese Idee "schwer vorstellbar. Die Reserve eines Vereins spielt Kleinfeld, die erste Mannschaft danach Großfeld" In eine ganz andere Richtung denkt Hans-Peter Jüllig, um dem Spielermangel zu begegnen: "Vielleicht wäre es sinnvoller, wenn Nachbarvereine sich zu Spielgemeinschaften zusammenschließen, vergleichbar zu den JFG im Jugendbereich."

Rückwechsel im Herrenbereich: Wie beim fliegenden Wechsel im Hallenfußball können Spieler nach ihrer Auswechslung wieder eingewechselt werden. Im Jugendbereich ist der Rückwechsel auf Kreisebene bereits möglich. Profitieren könnten davon Mannschaften mit sehr vielen Spielern oder auch leistungsschwächere Spieler, die so zu mehr Einsatzzeiten kommen. Nach Einschätzung von Kreisspielleiter Pfahler "hat dieses Modell am meisten Chancen eingeführt zu werden." Während Jens Grimm und Jürgen Zwickel diese Überlegung strikt ablehnen, kann sich Hans-Peter Jüllig dafür erwärmen: "Zumindest in den unteren Klassen. Gerade im Freizeitbereich sollte man für die Spieler die Einsatzzeiten erhöhen." Zwickel hingegen sagt: "Im Jugendbereich zählt auch die soziale Komponente, da zählt das Mitspielen. Der Herrenbereich ist an der Leistung orientiert. Zudem sagt auch die Fifa: der Fußball soll einheitlich sein. Keine Torkamera – kein Rückwechseln." Jens Grimm hat als Spielertrainer zusätzliche Bedenken: "Das Rückwechseln führt nur zu Chaos, insbesondere wenn ich als Coach selbst auf dem Platz stehe. Das entspricht nicht dem Sinn des Fußballspiels."

Zweitspielrecht: Berufspendler oder Studenten mit unterschiedlichen Wohn- und Arbeits- beziehungsweise Studienorten sollen für zwei Vereine spielberechtigt sein. "Das haben wir Spielleiter im Bezirk mehrheitlich abgelehnt", sagt dazu Anton Pfahler. Auch Jens Grimm ("Macht keinen Sinn"), Jürgen Zwickel ("Haben unsere Studenten noch nie eingefordert") und Hans-Peter Jüllig ("Geht am Thema vorbei") halten von diesem Gedanken nichts. Statt dessen schlägt der Kreisspielleiter vor, die Wechselsperrfrist bei einem Umzug wegfallen zu lassen, sofern der neue Wohnsitz eine gewisse Mindestentfernung zum bisherigen aufweist. "Das allerdings könnte genutzt werden, um gerade kleinere Vereine um ihre Ausbildungsentschädigung zu bringen", befürchtet Jüllig einen möglichen Missbrauch.

Extrapunkt:
Einen zusätzlichen Zähler soll sich derjenige Verein verdienen können, der den Vergleich aus Hin- und Rückspiel gewinnt. Bei Punktgleichheit kommt die aus dem Europapokal bekannte Auswärtstorregel zum Tragen. Problematisch dabei: Nicht ohne Grund findet das Torverhältnis in der Abschlusstabelle der unteren Klassen bei Auf- oder Abstiegsentscheidungen keine Berücksichtigung. Diese Vorgehensweise könnte durch die Extrapunktregelung konterkariert werden. "Eine interessante Variation, die spannend wäre", findet Jens Grimm. Dagegen schüttelt Jürgen Zwickel den Kopf: "Wir müssen die Dinge einfach machen, nicht komplizierter." Ähnlich sieht das auch Hans-Peter Jüllig: "Das macht die Sache nicht attraktiver. Auch die Dreipunkteregel hat meiner Ansicht nach nicht den Erfolg gebracht, den man sich von ihr erhofft hat."

 
 
Chancen stehen 50:50 - Reserverunde im Fußballkreis vor dem Ende
entnommen aus: Hilpoltsteiner Kurier vom 03.02.2010 von Thomas Stoll


Hilpoltstein (HK) Der Amateurfußball steht vor einem großen Umbruch. Mit vielen Maßnahmen versuchen die Verantwortlichen des Bayerischen Fußball-Verbands den aktuellen Entwicklungen entgegen zu wirken. Eine davon ist die geplante Einführung aufstiegsberechtiger B-Klassen im Bezirk Mittelfranken.

Der Eingriff in den Spielbetrieb sorgt unter den Fußballern für Kontroversen. Anton Pfahler, Spielleiter des Fußballkreises Neumarkt/Jura, steht vor keiner leichten Aufgabe. Im Vorfeld der Kreis- und Bezirkstage, aber auch schon bei den Wintertagungen, die heute in Woffenbach, sowie am 4. und 10. Februar in Nennslingen und Obererlbach stattfinden, rechnet er deshalb mit hitzigen Diskussionen. „Wir versuchen, sachlich zu informieren“, hofft er die Emotionen im Zaum halten zu können. Zumal er sagt: „Die B-Klassen sind nicht unsere Idee, aber wenn die Vereine sich dafür entscheiden, werden wir das umsetzen müssen.“ Die Chancen stünden derzeit „in etwa fiftyfifty“, so Pfahler.

Hintergrund ist der derzeit sehr uneinheitliche Reservespielbetrieb. Mit den neuen B-Klassen sollen die zweiten Mannschaften in ihren Ligen etwa gleichstarke Gegner bekommen, auch die Qualität der A-Klassen-Teams würde sich zwangsläufig mehr angleichen, hofft Pfahler. Weitere Zielsetzung ist es, „die Masse an Relegationsspielen zu reduzieren“, erklärt der Kreisspielleiter. Nicht zuletzt verspricht er sich von der möglichen Neuregelung auch eine Vereinfachung bei der Einteilung der Ligen in der Sommerpause.

In den derzeit zehn A-Klassen nehmen laut Pfahler 71 erste Mannschaften sowie 69 Reserveteams am Spielbetrieb teil. Daraus würden, sollte die Abstimmung Erfolg haben, nach einem Übergangsjahr jeweils etwa fünf A- und fünf B-Klassen-Gruppen gebildet. Konkret heißt das auch: „Wenn die B-Klasse kommt, ist es das Ende der herkömmlichen Reserverunde“, so Pfahler. Ein Umstand, der viele Vereine abschreckt. Bedeutet dies doch unweigerlich einen hohen organisatorischen und personellen Mehraufwand, wenn erste und zweite Mannschaften ihre Auswärtsspiele nicht mehr am gleichen Ort austragen. Heißt etwa zusätzliche Betreuer oder auch ein Reservetorhüter, der nicht mehr als Ersatzkeeper für das anschließende Spiel der Ersten zur Verfügung steht.

Keinen Grund, am Status etwas zu ändern, sieht Jürgen Zwickel, Trainer des Bezirksligisten TSV Heideck: "So wie jetzt ist es eine gute Lösung", findet er. Gleichwohl könne es aber einen zusätzlichen Ansporn bedeuten, wenn eine A-Klassen-Mannschaft künftig auch noch gegen den Abstieg kämpfen müsse.

Prinzipiell für eine Einführung der B-Klassen spricht sich dagegen der Spielertrainer des TV Thalmässing, Jens Grimm, aus: "Von der Gerechtigkeit her wäre es besser, denn in den A-Klassen sind die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Gruppen relativ groß." Auch wenn das einen erheblichen Mehraufwand bedeuten würde, so Grimm. Zudem lockt den Fußballtrainer die Aussicht auf den Wegfall der Relegationsspiele. "Dann wüsste man frühzeitig, wann die Saison zu Ende ist."

Hans-Peter Jüllig, Fußball-Abteilungsleiter des TV Hilpoltstein, sieht angesichts des möglichen Endes der herkömmlichen Reserverunde die Gefahr, "dass einige Vereine gezwungen werden, in den Punktspielbetrieb zu gehen oder gar keine Reserve mehr zu haben." Dass der Verband auf die demografische Entwicklung reagieren muss, sei ihm allerdings ebenfalls bewusst. Um so gespannter ist er, wie sich die Funktionäre die Einführung der neuen B-Klasse konkret vorstellen. "Wenn es vernünftig aufgesetzt ist, hat jeder etwas davon", glaubt Jüllig.