Markus Steinhöfer: "Gegen Ribery ist es sauschwer zu spielen"

Der 22-jährige Weißenburger äußert sich über den Ausnahmespieler im Trikot des FC Bayern, über seinen eigenen Bundesliga-Einstand bei Eintracht Frankfurt
und vieles mehr

entnommen aus: Weißenburger Tagblatt, Sa./So. 20./21.12.2008 von Uwe Mühling

WEISSENBURG – Die Bundesliga hat ihre Vorrunde abgeschlossen. Erstmals hat in den vergangenen Monaten auch ein Weißenburger auf der großen Fußball-Bühne mitgemischt: Markus Steinhöfer. Im Interview mit unserer Zeitung äußert sich der 22-Jährige Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt zum bisherigen Saisonverlauf, zum Massenphänomen Fußball, zum Alltag als Profi, zu Weltklassespieler Franck Ribéry, zur Finanzkrise, zur U21-Nationalelf und zu einigem mehr.

Herr Steinhöfer, haben Sie früher Panini-Sticker gesammelt und in Hefte geklebt?
Steinhöfer: Nein, aber ich kenne sie natürlich.

Seit dieser Bundesliga-Saison ist Ihr eigenes Konterfei dabei und steht gerade bei den jungen Sammlern in Weißenburg hoch im Kurs.
Steinhöfer: Das freut mich und ehrt mich. Und irgendwie finde ich es auch lustig, wenn Fans auf mich zukommen und auf den kleinen Bildchen ein Autogramm haben wollen. Auch wenn ich selber keine Sticker gesammelt habe, erkenne ich mich doch selbst als Kind wieder, als ich noch davon geträumt habe, später einmal Fußballprofi zu werden.

Dieser Traum ist für Sie in Erfüllung gegangen. Nach zwei Spielzeiten bei Red Bull Salzburg sind Sie jetzt seit einem halben Jahr für Eintracht Frankfurt im Einsatz. Wie fällt zum Jahresende Ihr persönliches Fazit aus?
Steinhöfer: Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Verlauf zufrieden. Ich habe alle 17 Bundesliga-Spiele der Vorrunde gemacht und war 13-mal in der Startelf. Sicherlich kann man einzelne Sachen immer verbessern, aber insgesamt ist mein Einstand sehr gut verlaufen. Den schlechten Start bei der Eintracht und den damit verbundenen hinteren Tabellenplatz haben wir inzwischen mit unserem recht jungen Team zurechtgerückt und ich denke, wir haben noch Luft nach oben. Den Wechsel von Salzburg nach Frankfurt habe ich keinesfalls bereut.

Stichwort Salzburg: Mit Red Bull waren Sie einmal Meister und einmal Vizemeister in Österreich und haben dort Ihren Durchbruch als Profi geschafft. Wo liegen aus Ihrer Sicht die großen Unterschiede zwischen österreichischer und deutscher Bundesliga?
Steinhöfer: In Österreich steht man als Profifußballer schon auch im Blickfeld der Öffentlichkeit, in Deutschland ist es aber viel extremer. Der Fußball insgesamt, aber auch die einzelnen Spieler sind viel mehr im Fokus. Das merke ich auch in Weißenburg: Die Bundesliga interessiert einfach die breite Masse, ich werde viel häufiger auf Fußball angesprochen als noch zu Salzburger Zeiten. Auch das Medieninteresse ist hier in Deutschland weitaus größer.

Wie kommen Sie damit klar?
Steinhöfer: Das ist für mich bislang nicht schwierig. Man wächst als junger Spieler langsam rein. Das hat in Österreich bereits begonnen und ist jetzt natürlich mehr geworden. Im Vergleich zu manch anderen Bundesligisten – vor allem natürlich beim FC Bayern München – hält sich der Medienauflauf bei uns hier in Frankfurt jedoch in Grenzen.

Dennoch sind auch Sie Woche für Woche im Fernsehen zu sehen und geben regelmäßig Interviews. Ihr Freistoßtor gegen Bochum wurde jüngst von den Zuschauern der ARD-Sportschau sogar zum «Tor der Woche» gewählt und kommt damit in die Wahl zum «Tor des Monats» im Dezember. Fällt es nicht manchmal schwer, am Boden zu bleiben?
Steinhöfer: Das mit dem «Tor der Woche» war eine schöne Sache und hat mich sehr gefreut. Als Spieler musst du aber versuchen, dir den ganzen Rummel nicht in den Kopf steigen zu lassen. Letztlich muss ich wie jeder andere auch ganz normal Tag für Tag meinen Job machen – nur dass ich und meine Kollegen dabei in der Öffentlichkeit stehen. Dass ich nicht abhebe, dafür sorgt letztlich auch mein näheres Umfeld. Meine Familie und meine Freundin achten schon darauf, dass ich am Boden bleibe.

Kommen wir noch einmal auf die Unterschiede zu Österreich zurück. Was fällt Ihnen im Vergleich noch auf?
Steinhöfer: Die vollen Stadien in Deutschland sind klasse. Selbst in Cottbus kamen 20 000 Zuschauer. So viele hatten wir in Salzburg höchstens mal zu Hause oder auswärts bei Rapid Wien. In der Bundesliga spielen wir meistens vor 40 000 oder 50 000 Fans, manchmal sogar vor noch mehr Leuten, wie kürzlich in Dortmund. Das war dort schon etwas Besonderes, vor 80 000 Menschen zu spielen. Diese Kulisse kriegt man auf dem Platz natürlich mit. Die Stimmung pusht einen, man darf sich davon aber nicht zu sehr beeinflussen lassen. Den Applaus in den guten Szenen musst du aufsaugen, von der schlechten Stimmung darfst du dich nicht irritieren lassen.

Die Gegenspieler haben in Deutschland bestimmt auch ein anderes Kaliber?
Steinhöfer: Da sind schon viele Top-leute dabei. Der Superstar der Liga ist für mich Franck Ribéry. Gegen ihn, aber auch gegen manch andere, wie etwa Bremens Diego, ist es sauschwer zu spielen.

Sie agieren bei Frankfurt meist auf der rechten Seite, Ribéry bei den Bayern meistens auf links. Wie war’s im direkten Duell?
Steinhöfer: In dem Spiel gegen München bin ich recht häufig auf Ribéry gestoßen. Es ist total schwierig, ihm den Ball abzunehmen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell der ist. Der kommt mit einer Wahnsinns-Geschwindigkeit auf einen zu, das kommt im Fernsehen gar nicht so richtig rüber. Außerdem ist Ribéry sehr robust. Und wie der den Ball behandelt! Man muss versuchen, einen solchen Ausnahmespieler zu stören und zu ärgern. Ich glaube, ein paar Zweikämpfe habe ich sogar gewonnen.

Sie haben ja selbst schon bei Bayern von der B-Jugend bis zu den Amateuren gespielt. Nach Ihrer Salzburger Zeit hätten Sie vom Vertrag her nach München zurückkehren können.

Steinhöfer: Das ist richtig, aber bei den Bayern ist die Konkurrenz für einen jungen Profi wie mich einfach zu groß. Die Positionen sind zwei- bis dreifach besetzt. Ich denke, da bin ich in Frankfurt besser aufgehoben.

Vier Jahre bei den Bayern, zwei Jahre bei Salzburg. Bleiben da im schnelllebigen Fußballgeschäft Kontakte oder gar Freundschaften?
Steinhöfer: Schon, mit einigen Spielern habe ich immer noch häufiger Kontakt und wir sind gut befreundet. Von den früheren Bayern-Amateuren sind es vor allem Sebastian Heidinger, aber auch Fabian Müller und Michael Stegmayer. Wir telefonieren öfter, mit dem Treffen ist es allerdings schwierig, weil wir über ganz Deutschland verteilt sind. Bei Salzburg habe ich die meisten Verbindungen noch zu Alexander Zickler und Christopher Leitgeb. Aber auch hier ist der Kontakt berufsbedingt mehr auf Telefon und SMS beschränkt.

Und in Frankfurt? Gibt es unter Profis Freundschaften oder ist das angesichts des Konkurrenzkampfes nicht denkbar?
Steinhöfer: Doch, doch. Da gibt es schon Freundschaften. Bei mir sind es vor allem Patrick Ochs, Michael Fink, Habib Bellaid und Martin Fenin, mit denen ich in der Freizeit öfter etwas unternehme. Im Training muss man das natürlich ausblenden.

Weil Sie gerade Martin Fenin erwähnten. Mit ihm zusammen haben Sie im Spätsommer für Schlagzeilen gesorgt, als es beim Grillen am Balkon von Fenins Wohnung zu einem Brand kam. Ist die Sache inzwischen abgehakt?
Steinhöfer: Ja, längst. Der Brand entstand aufgrund einer defekten Gasleitung und hat uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Das Ganze ist inzwischen als Versicherungsfall abgehandelt. Gegrillt habe ich seither nicht mehr. Das mache ich künftig nur noch im Freien.

Sie haben gesagt, dass Sie wie viele andere auch nur normal Ihren Job machen. Dennoch kann man die Arbeit als Fußballprofi nicht in Schemen wie 40-Stunden-Woche oder 8-Stunden-Tag einordnen. Wie sieht Ihr Alltag aus?
Steinhöfer: In der Anfangszeit hat sich bedingt durch die Vorbereitung auf die Saison alles nur um Fußball gedreht: viele Trainingseinheiten, Testspiele, Massagen, volles Programm. Während der Saison ist es etwas ruhiger und man hat auch Freizeit. Montags ist bei uns im Normalfall der freie Tag, den ich so oft wie möglich zu Hause in Weißenburg verbringe. Am Dienstag sind wir dann – beginnend mit einem gemeinsamen Frühstück um 8.00 Uhr – den ganzen Tag im Eintracht-Trainingszentrum am Riederwald. Damit beginnt die Vorbereitung auf das nächste Spiel. Pro Woche haben wir sechs bis acht Trainingseinheiten, Höhepunkt ist natürlich immer die Bundesliga am Samstag oder manchmal auch sonntags oder freitags. Am Tag nach dem Spiel gibt es stets eine lockere Trainingseinheit, das sogenannte Auslaufen. Ein- bis zweimal im Monat werden wir Spieler vom Verein auch zu Autogrammstunden oder Besuchen bei Fanclubs eingeteilt. Solche Termine nehme ich gerne wahr. Der Kontakt zu den Fans macht Spaß. Derartige Veranstaltungen sollten allerdings nicht zu häufig sein. Die Konzentration gilt natürlich in erster Linie Training und Spiel.

Nach der Hinrunde kann man durchaus feststellen, dass Trainer Friedhelm Funkel auf Sie baut. Wie ist der tägliche Umgang mit ihm?
Steinhöfer: Ich schätze Herrn Funkel als Trainer sehr. Er ist sehr ruhig und sachlich, aber keiner, der andauernd redet. Im Training ist er eher der stille Beobachter, der seine Eindrücke sammelt. Die Einheiten werden meist vom Co-Trainer geleitet. Wenn er es für nötig hält, greift der Chefcoach ein. Die wichtigen Dinge werden von ihm natürlich angesprochen.

Durch ihre Leistungen sind Sie auch wieder ins Blickfeld der U21-Nationalmannschaft gerückt. Als Beobachter hat man jedoch das Gefühl, dass es hier für Sie bislang nicht optimal läuft.
Steinhöfer: Zuletzt war ich mehrfach nominiert. Teilweise kam ich gar nicht zum Einsatz, teilweise für eine Halbzeit oder für eine halbe Stunde. Letztlich freue ich mich schon, wenn ich bei der U21-Nationalelf dabei bin, wichtiger ist für mich momentan aber der Verein und dass dort meine Leistungen stimmen. Alles weitere kommt von allein.

Auch die A-Nationalmannschaft? An den jüngsten Beispielen von Überraschungs-Herbstmeister Hoffenheim kann man sehen, wie schnell der Sprung gelingen kann.
Steinhöfer: Das ist immer auch ein Stück weit vom Mannschaftserfolg abhängig. Aber klar: Für die Nationalmannschaft seines Landes möchte jeder Profi gern spielen. Auch ich.

Nach den ersten Wochen im Hotel haben Sie inzwischen eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Stadt und haben sich in Frankfurt auch recht gut eingelebt. Die Main-Metropole ist bekanntlich auch das Bankenzentrum Deutschlands. Wie haben Sie hier die Finanzkrise erlebt?
Steinhöfer: Das hat man in der Stadt total gespürt. Die ganze Verunsicherung, das war eine totale Katastrophe. Inzwischen hat sich das Ganze wieder etwas beruhigt, die Finanzkrise spielt aber nach wie vor eine große Rolle.

Mit 22 Jahren verdienen Sie als Jungprofi im Vergleich zu Gleichaltrigen relativ viel Geld. Mussten Sie auch um Erspartes oder Geldanlagen zittern?
Steinhöfer: Nein, Gott sei Dank nicht. Ich bin kein Zocker. Ich lege mein Geld lieber ganz solide daheim bei der Weißenburger Sparkasse an. Weihnachten steht vor der Tür.

Wie werden Sie die Feiertage verbringen?
Steinhöfer: Ganz ruhig und gemütlich bei meiner Familie und meiner Freundin in Weißenburg. Nach dem Spiel in Hamburg hatte ich in den Tagen vor dem Fest noch die Möglichkeit, für eine Woche mit meiner Freundin in den Süden zu fliegen und Urlaub zu machen. Rechtzeitig zu Weihnachten sind wir aber wieder zu Hause.

Wann beginnt bei der Eintracht nach der Weihnachtspause die Vorbereitung auf die Rückrunde?
Steinhöfer: Schon am 2. Januar geht es wieder mit dem Training los. Auch einige Hallenturniere sind vorgesehen. Ende Januar steht das erste Bundesliga-Spiel bei Hertha BSC Berlin auf dem Plan.

Was haben Sie sich für 2009 vorgenommen?
Steinhöfer: Für mich persönlich hoffe ich, weiterhin so viele Einsätze zu haben wie im bisherigen Saisonverlauf. Mit der Mannschaft wollen wir besser in die Rückrunde starten als in die Vorrunde und am Ende die bestmögliche Platzierung herausholen. Ich glaube, ein einstelliger Tabellenplatz ist für uns noch drin.

Interview: UWE MÜHLING


Sehen Sie hier Tore von Markus Steinhöfer:
Steinhöfer goal vs Mattersburg

Salzburg - Rapid Wien 1:0, Markus Steinhöfer

SK Rapid - Red Bull Salzburg 1:2

Kurioses Eigentor gegen Mattersburg


Lesen Sie hier weitere Berichte über Markus Steinhöfer:
Markus Steinhöfer - Reden wir über: "Wahnsinn, wo bist Du gelandet?" (Süddeutsche Zeitung, 22.11.2008)

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