Ausraster beim Fußball: "Rot" für Hobbykicker

21-Jähriger muss hinter Gitter - Mehfach Gegenspieler getreten

Entnommen aus: Weißenburger Tagblatt vom 04.04.2008 von Jan Stephan

WEISSENBURG - Wegen einer Schlägerei auf dem Fußballplatz ist ein 21-jähriger Kfz-Mechaniker zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. In der Begegnung SV Möhren gegen den TV Langenaltheim im Oktober vergangenen Jahres flippte der junge Mann nach einem Foul eines Langenaltheimers aus und trat seinen Gegenspieler mehrfach mit dem Fuß in die Seite.

Kicken wird der 21-Jährige in den nächsten gut eineinhalb Jahren wohl kaum mehr, und wenn, dann nur auf dem Sportplatz eines Gefängnisses. Der Weißenburger Jugendrichter Ludwig Strobl verurteilte den jungen Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Dass es den gelernten Kfz-Mechaniker und Hobbyfußballer in der untersten Klasse so hart erwischte, hing mit einer laufenden Bewährung zusammen. Bereits im Oktober 2005 hatte ihn das Gericht wegen Körperverletzung zu einer Strafe von sechs Monaten verurteilt. Damals wurde diese auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Hätte der junge Mann sich mit seinem Ausraster also noch wenige Wochen Zeit gelassen, wäre er vor Gericht deutlich freundlicher davongekommen. Dann nämlich wäre die Bewährung ausgelaufen.

Daran hatte der Möhrener aber wohl nicht gedacht, als er nach einem Foul eines Langenaltheimers die Beherrschung verlor. Er sprang wieder auf und trat dem am Boden liegenden TV-Kicker vier- bis fünfmal mit dem Fuß in die Seite und auf den Oberkörper. Strobl erkannte darin eine gefährliche Körperverletzung. Das galt übrigens auch für den Freund des 21-Jährigen, der bereits vergangene Woche abgeurteilt worden war (wir berichteten). Er hatte einen zu Hilfe eilenden Langenaltheimer per Faustschlag niedergestreckt und so verhindert, dass der seinen am Boden liegenden Mannschaftskollegen zur Seite springen konnte. Der 25-Jährige Faustschläger wurde zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 25 Euro, also insgesamt 1500 Euro verurteilt.

Insgesamt muss sich der nun von Richter Strobl in einer separaten Sitzung abgeurteilte 21-Jährige Kfz-Mechaniker wohl sogar noch glücklich schätzen, dass es bei der eineinhalbjährigen Strafe geblieben ist, denn verhandelt wurde in einem angehängten Verfahren auch eine angebliche Misshandlung seiner Freundin.

Der 21-Jährige soll Ende September 2007 seine Exfreundin auf dem Parkplatz eienr Diskothek in Postbauer-Heng attackiert haben. Der Staatsanwalt warf dem 21-Jährigen vor, dabei unter anderem den Kopf der Auszubildenden gegen eine Autoscheibe geschlagen zu haben und ihr in den Mittelfinger gebissen zu haben. Die 19-Jährige erlitt dabei ein Schleudertrauma und einen Nasenbeinprellung. Wie sie zu den Verletzungen gekommen ist, dazu verweigerte sie schon im „Hinspiel“ des Prozesses die Aussage. Das durfte sie, weil sie mittlerweile mit dem Angeklagten verlobt ist. Bei dem erneuten Verhandlungstermin konnte nun auch die Aussage einer anderen Zeugin nicht helfen, die Ereignisse aufzuklären. Deswegen stellte Richter Strobl das Verfahren in diesem Punkt ein.

 

Amtsgericht Weißenburg: Tumult auf Fußballfeld

Zwei Treuchtlinger wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt

Entnommen aus: Weißenburger Tagblatt vom 27.03.2008 von Katja Kölbl

WEISSENBURG – Es war ein „heißes Spiel“: Im Oktober 2007 gerieten die A-Klasse-Spieler des SV Möhren mit den Fußballern des TV 1896 Langenaltheim aneinander – es kam zum Tumult auf dem Fußballplatz. Jetzt wurde ein 25-jähriger Lackierer vor dem Amtsgericht Weißenburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu 60 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. Die Verhandlung gegen seinen Spielkameraden wird fortgesetzt, da er mit der Tat gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat.

„Ich weiß gar nicht, warum wir alle hier sind. Das war ein ganz normales Fußballspiel!“ Zeuge Samet (Namen aller Beteiligten von der Redaktion ­geändert) schaut ungläubig in die Runde: Vom Richtertisch blicken Amtsrichter Ludwig Strobl und zwei Schöffen kritisch auf ihn herab, links von ihm scharren die beiden Angeklagten Adin und Davut ungeduldig mit den Füßen, und der Staatsanwalt macht sich eifrig Notizen.

Ein normales Fußballspiel? Bei der Verlesung der Anklageschrift klingt das anders: Demnach hat Davut einen Spieler des TV 1896 Langenaltheim – nachdem er von ihm gefoult worden war – vier- bis fünfmal mit dem Fuß auf den Oberkörper und in die Seite getreten, als dieser am Boden lag. Als ein weiterer Langenaltheimer seinem Spielkollegen zu Hilfe eilen wollte, bekam er die Faust von Adin ins Gesicht. Beide Männer trugen starke Prellungen und blaue Flecken davon. Der Schiedsrichter musste das Spiel abpfeifen, da wutentbrannte Fans das Feld stürmten.

Ausländerfeindliche Sprüche?
Vor Gericht gaben sich die Angeklagten friedlich. Beide, der 25-jährige Lackierer Adin und der 21-jährige Kfz-Mechaniker Davut aus Treuchtlingen, gaben ihre Schuld grundsätzlich zu. Auch wenn sie versuchten, den Tathergang zu beschönigen. Davut beteuerte, von seinem Gegenspieler zuerst getreten und bedroht worden zu sein, bevor er ihn trat. Adin versuchte, seinen Faustschlag in einen Schubser abzumildern. Außerdem gaben die Freunde an, von Spielern der Gegenmannschaft als „Kanaken“ und „scheiß Ausländer“ beschimpft worden zu sein – wenn auch nicht von ihren späteren Opfern. Die geladenen fünf Zeugen konnten dies aber nicht bestätigen und stützten die Aussagen der Geschädigten, für die die Angriffe überraschend kamen. Auch, wenn alle Anwesenden betonten, dass es „ein hartes Spiel“ war. „Aber das ist in der A-Klasse normal, da fallen Schimpfwörter und es geht ruppig zu“, so Davut.

Mit dieser Spielmanier konnte sich Richter Strobl (der sich wie der Staatsanwalt als Nicht-Fußballspieler outete) nicht anfreunden: „Gewisse Regeln müssen auch auf dem Fußballplatz eingehalten werden.“ Nach gut zwei Stunden stand für ihn deshalb die Schuld des Angeklagten Adin fest: Er wurde zu 60 Tagessätzen à 25 Euro plus den Verfahrenskosten verurteilt. Der Richter hielt sich damit an den Vorschlag des Staatsanwalts und wertete Adins Schuldeinsicht und sein leeres Vorstrafenregister positiv.

Verfahren geht weiter
Während das Verfahren für den Lackierer nun beendet ist, muss sich sein Freund Davut nochmals vor Gericht verantworten. Gegen ihn läuft ein zusätzliches Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Der 21-Jährige soll Ende September 2007 seine Exfreundin auf dem Parkplatz einer Diskothek in Postbauer-Heng ­attackiert haben. Dabei schlug er unter anderem den Kopf der Auszubildenden gegen eine Autoscheibe und biss ihr in den Mittelfinger. Die 19-Jährige erlitt ein Schleudertrauma und eine Nasenbeinprellung. Vor Gericht wollte das Mädchen nichts dazu aussagen. Und das musste sie auch nicht: Sie ist seit Anfang Februar mit dem Angeklagten verlobt. Das Gericht ist darum auf die Aussage einer wei­teren Zeugin angewiesen, die für die Verhandlung am 30. März geladen ist.

Für Davut steht dann einiges auf dem Spiel: Er hat mit den beiden Fällen von Körperverletzung gegen seine Bewährungsstrafe verstoßen. Der Kfz-Mechaniker wurde bereits im Oktober 2005 zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die auf zwei Jahre Bewährungzeit ausgesetzt war. Bestätigen sich die Vorwürfe, muss der Treuchtlinger wohl in Haft.


Lesen Sie hier den Bericht vom 16.10.2007: Unschöne Szenen beim Spiel TV Langenaltheim gegen SV Möhren! Die Polizei musste eingreifen!