Bezirkssportgericht urteilt im Sinne der DJK Titting

Urteil des Kreissportgerichts wurde aufgehoben - 8 Punkte für den Kreisligisten

Das Bezirkssportgericht Mittelfranken hat unter Vorsitz von Manfred Zimmermann am 30. Oktober 2007 das Urteil des Kreissportgerichts (KSG) Neumarkt/Jura aufgehoben, in dem die DJK Titting im Wesentlichen mit dem Abzug von acht Punkten bestraft und – ebenso wie der verantwortliche Funktionär – mit einer Geldstrafe belangt worden war.

Einsatz eines JFG-Spielers beim Stammverein
Die DJK Titting hatte den Spieler Benedikt Satzinger mit einem Pass der Junioren-Fördergemeinschaft (JFG) Anlautertal-Jura (der Vereine Titting, Kaldorf, Nennslingen und Bergen) nach dem altersbedingten Ausscheiden aus der Juniorenmannschaft in den Kreisligaspielen der Herren eingesetzt, ohne dass der Pass auf die Stammmannschaft umgeschrieben war, wie es Ziffer III/8 der „Richtlinien für die Jugendfördergemeinschaften“ fordert. Das Kreissportgericht hat daraufhin die DJK am 12. Oktober 2007 wegen „unzulässigem Spielereinsatz in einem leichten Fall“ gem. § 77 Abs. 1 der Rechts- und Verfahrensordnung (RVO) zu einer Geldstrafe von 200 € verurteilt und die gewonnenen bzw. unentschieden gespielten Spiele mit X:0 für die DJK Titting als verloren gewertet. Der verantwortliche Funktionär Helmut Buchinger wurde gem. § 77 Abs. 2 RVO mit einer Geldstrafe von 100 Euro belegt.

Berufung
Am 19. Oktober legte die DJK Titting gegen die Urteile Berufung ein und begründete dies damit, dass im Spielerpass der JFG die Genehmigung für Herrenspiele ab 01.08.2007 eingetragen ist und der Spieler somit spielberechtigt sei. Das Bezirkssportgericht (BSG) hat am 29.10.2007 festgestellt, dass die Berufung zulässig, fristgerecht und begründet ist. Es begründet dies damit, dass in dem Spielerpass für die JFG, mit Stammverein DJK Titting, gemäß einer inzwischen nicht mehr verwendeten Formulierung steht, dass der Spieler ab 01.08.2007 für die Herrenmannschaft spielberechtigt ist. Ebenso sei auf der Rückseite die Abmeldung und die Zustimmung der JFG bestätigt. „In Unkenntnis dessen, dass der JFG-Pass nach dem altersbedingten Ausscheiden aus der JFG und dem Verbleib beim Stammverein, mittels neuem Passantrag auf einen Herren-Pass umgeschrieben werden muss, (Richtlinien für JFG veröffentl. im Internet und BS [Anm.: Bayernsport] im August 2007), ließ die DJK Titting den Sp. Satzinger, aufgrund des Eintrages im Sp.-Pass, guten Glaubens in ihrer 1. Herrenmannschaft mitwirken. Auch mehrere SR [Anm.: Schiedsrichter] sahen das genauso und legten kein Veto gegen die Spielberechtigung ein.“ Das Bezirkssportgericht führt weiter aus, dass das Kreissportgericht in Unkenntnis des Passeintrages „Herren ab 01.08.2007“ urteilte, das Bezirkssportgericht aber in Übereinstimmung mit der Passstelle in vorliegendem Fall lediglich von einer Verurteilung gem. § 79 RVO ausgehe, bei der nur eine Geldstrafe vorgesehen ist und für eine Punktwertung kein Platz mehr sei. „Das Verschulden des Vereins sieht das BSG in diesem Fall als nachrangig an, da die damalige JFG-Passausstellung als missverständlich anzusehen ist.“ Aus diesem Grunde argumentiert das Gericht weiter, „war dem Rechtsmittel der DJK Titting stattzugeben und die Aufhebung des KSG Urteils zu veranlassen.“ Für den Verein wurde die Geldstrafe neu auf 250,00 € festgelegt.

Beurteilung der Entscheidung
Das Urteil des Bezirkssportgerichts ist unter Berücksichtigung der zitierten Vorschriften nachvollziehbar, folgerichtig und zu begrüßen. Das Sportgericht hat damit die Voraussetzungen geschaffen, dass der Wettstreit um Tore und Punkte in der Kreisliga auf dem Fußballplatz erfolgt. Darunter fallen nach dem derzeitigen Tabellenstand sowohl Entscheidungen um den Aufstieg (Marienstein) als auch um den Abstieg (Titting, Gunzenhausen, Solnhofen, Weißenburg). Das Urteil wird bei den betroffenen Vereinen sicher manche Diskussion entfachen.

Auffällig sind nämlich die Urteils-Formulierungen,
- mit denen der Passstelle ein Mitverschulden zugewiesen,
- mit der Nichtbeanstandung durch die Schiedsrichter argumentiert,
- auf die Unkenntnis des Kreissportgerichts (hinsichtlich Passinhalt) hingewiesen,
- eine missverständlichen Passgestaltung angeprangert und
- von einer Unkenntnis der Vorschriften auf Seiten der DJK Titting ausgegangen wird,
- die im Übrigen als nachrangig anzusehen sei.

Wohlwollende Rechtsauslegung
Nur mit dieser Argumentation war es dem Gericht möglich, von einer Verurteilung gemäß § 77 RVO (Spielwertung zu ungunsten der DJK Titting) abzusehen, mit der die Sportgerichte im Übrigen nicht zögerlich sind.

Diese großzügige Auslegung würden sich manche Vereine wünschen, die wegen geringster Formalien (z. B. bei Spielgemeinschaften im Juniorenbereich) schon mit Geldstrafen „abgezockt“ (so lauteten die Klagen von Vereinen beim BFV) und mit Punktabzügen bestraft wurden und bei denen dadurch Meisterschaften entschieden worden sind.

Brisanz in „vergleichbaren" Fällen
Wie ein Schlag ins Gesicht mag dieses Urteil jedoch für den TSV Ramsberg sein, gegen dessen Spielgemeinschaftsmannschaft (TSV Ramsberg/St. Veit) just am gleichen Tage im umgekehrten Falle vom Kreissportgericht wegen einer reinen Formalie (ein Spieler des TSV Ramsberg stand trotz gültigem Pass nicht auf der Spielgemeinschaftsliste) mit zwei X:0-Wertungen bestraft wurde.

Nimmt man das „Tittinger Urteil“ als Maßstab, dann muss man nachträglich auch Verständnis für die TSG Ellingen aufbringen, die in der vergangenen Saison, ebenfalls aus Nachlässigkeit und in Unkenntnis der Bestimmungen mit Punktabzug bestraft wurde und deswegen aus der Kreisklasse abgestiegen ist. Damals ging das Gericht davon aus, dass Formalien einzuhalten sind und der Verein die Vorschriften zu kennen habe.

Besondere Brisanz erhält das Urteil weiterhin dadurch, dass das gleiche Bezirkssportgericht am 16.10.2007 ein Urteil des Kreissportgerichts bestätigt hat, in dem der FV Wendelstein II (Kreisliga Neumarkt) mit einem Abzug von 9 Punkten bestraft wurde, weil der Verein in drei Spielen einen Spieler eingesetzt hatte, bei dem im Passantrag versehentlich nicht angekreuzt war, dass der Spieler im Vorverein seit mindestens 6 Monaten nicht mehr gespielt hat. Eine rein formale Nachlässigkeit oder ein schwerwiegendes Vergehen, das den Abzug von 9 Punkten rechtfertigt? Wie man hört, überlegt der FV Wendelstein nun, gegen die Entscheidung Revision einzulegen. Auf den Fortgang dieses Verfahrens darf man gespannt sein!

Konsequenzen für andere Vereine

Ob mit dem Urteil die Angelegenheit erledigt ist, bleibt abzuwarten. Gemäß § 46 RVO kann innerhalb von 2 Wochen jeder Verein Revision einlegen, der ein berechtigtes Interesse an der Entscheidung nachweisen kann. Ob ein Verein oder gar der vom Bezirkssportgericht gescholtene Fußballverband als letzte Instanz das Verbandssportgericht anruft, werden die Fußballabteilungen und Vorstandschaften zu entscheiden haben.

Verschulden der Schiedsrichter
Die Schiedsrichter wurden vom KSG mit einer Geldstrafe von je 30 Euro verurteilt, haben aber alle dagegen Berufung eingelegt. Diesen Rechtsbehelfen wurde vom BSG als Folge der Argumentation im Hauptverfahren stattgegeben. Es fällt nicht leicht, für diese Freisprüche Verständnis aufzubringen. Denn von Schiedsrichtern, die nicht nur Zugang (und die Pflicht zur Aneignung) der einschlägigen Bestimmungen haben, dürfen die Vereine schon erwarten, dass sie über die Vorschriften zur Spielberechtigung Bescheid wissen, zumal der Sachverhalt Thema der regelmäßigen Sitzungen ist und im Internet, in der Tagespresse und im „Bayernsport“ veröffentlicht wird. Hätten diese – teilweise „hochqualifizierten" Referees (Bezirksliga, Bezirksoberliga, 2. Frauen-Bundesliga) – die Bestimmungen richtig gekannt, wäre das Problem bereits am ersten Spieltag der Saison erkannt worden. Allen Betroffenen wären Ärger und Verdruss erspart geblieben.

Kreisspielleiter Pfahler in der Zwickmühle
Nicht glücklich ist Kreisspielleiter Anton Pfahler mit dieser Situation. Kraft seines Amtes war er gezwungen, die Vergehen nach der Meldung durch den Schiedsrichter dem Sportgericht anzuzeigen. Nun muss er unterschwellig den Vorwurf hören, dass er die Anzeigen erstattet hat, weil sein Heimatverein (TSV Wernfels) von einer Tittinger Verurteilung profitiert hätte. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Pfahler hat bereits im Vorfeld erklärt, dass die DJK Titting in Berufung gehen sollte und seiner Ansicht nach dabei gute Chancen habe, was sich nun bestätigt hat.

Lesen Sie in unserem Archiv:
Unbestätigten Meldungen zufolge, war die Berufung der DJK Titting beim Bezirkssportgericht erfolgreich, 30.10.07

0:X-Wertungen gegen Titting: "Knüppelhart bestraft" - Pfahler zeigt durchaus Verständnis für Kreisligisten, Weißenburger Tagblatt vom 18.10.07

Herber Rückschlag für die DJK Titting: "Formfehler" wird mit Punktabzug bestraft, 13.10.07