Markus Steinhöfer aus Weißenburg: Reifeprozess durchlebt

Nach zwei Jahren in Salzburg jetzt zu Frankfurt - "Mein Traumberuf"

Entnommen aus: Weißenburger Tagblatt vom 10./11./12.05.2008 von Uwe Mühling

WEISSENBURG – Zwei Jahre bei Red Bull Salzburg. Einmal österreichischer Meister, einmal Vizemeister. 48 Spiele in der Nachbar-Bundesliga, zwei Tore, acht direkte Torvorlagen. Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League und Uefa-Cup-Spiele. Erste Berufung in die U21-Nationalmannschaft. Das sind einige Zahlen und Fakten aus den vergangenen zwei Spielzeiten, in denen Markus Steinhöfer bei den Salzburgern seinen Durchbruch als Fußballprofi geschafft hat. Zur neuen Saison wechselt der 22-jährige Weißenburger nach Deutschland zu Eintracht Frankfurt, will sich hier einen Stammplatz erkämpfen und sich auch in der deutschen Bundesliga behaupten. Zwischenbilanz einer jungen Karriere.

„Wenn ich irgendwo einen Ball liegen sehe, dann muss ich einfach dagegenhauen.“ Markus Steinhöfer hat derzeit Urlaub, den Fußballsport und seinen ausgeprägten Spieltrieb kann er in dieser Zeit aber nicht so einfach abschütteln. Mit Laufen und Fitnessstudio hält er sich konditionell auf der Höhe und macht auch regelmäßig etwas mit dem Ball – Letzteres häufig auf dem Gelände seines Heimatvereins DSC Weißenburg.


Ein junger Profifußballer und sein Mentor: Markus Steinhöfer (li.) hat unter dem italienischen Startrainer Giovanni Trapattoni (re.) in den vergangenen beiden Jahren bei Red Bull Salzburg sehr viel für seine weitere Karriere dazugelernt.

Bedingt durch die Europameisterschaft ist die Saison in Österreich sehr früh zu Ende gegangen. Gleichzeitig ist bei Eintracht Frankfurt erst am 30. Juni Trainingsauftakt. Dadurch hat der 22-jährige Jungprofi einen ungewöhnlich langen Urlaub, den er größtenteils in Weißenburg mit seiner Freundin Alice und bei seiner Familie verbringt. Auch eine Woche Ibiza ist geplant. Nachdem er in den vergangenen Jahren höchstens auf ein bis zwei Wochen Sommerurlaub gekommen ist, freut sich Markus Steinhöfer, dass er jetzt endlich einmal wieder richtig regenerieren und Kraft tanken kann.

„Lachendes und weinendes Auge“

Salzburg verlässt er mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“. Er habe sich in der 150 000-Einwohner-Stadt „sehr wohlgefühlt“, sagt er, und auch sportlich lief es sehr gut. Jetzt freut sich Steinhöfer allerdings auch auf seinen neuen Verein Eintracht Frankfurt und auf die vollen Stadien in der Bundesliga. Deutschland ist einfach die größere Fußballbühne als Österreich. Dennoch könnte Red Bull als österreichische Spitzenmannschaft nach Steinhöfers Meinung im deutschen Oberhaus durchaus mithalten – zumindest im Mittelfeld. „Das ist ein Team aus lauter gestandenen Profis. Da kann man auch in jedem Training etwas dazulernen.“

Und dazugelernt hat Markus Steinhöfer in den vergangenen zwei Jahren sehr viel. Er spricht von einem „Reifeprozess“, den er als Jungprofi durchlaufen hat. „Steini“ – so sein Spitzname – war 2006 von Bayern München nach Salzburg gekommen. Mit den Münchnern war er Deutscher A-Jugendmeister und Regionalligameister mit den Amateuren geworden. „Ich hatte in den vier Jahren bei Bayern immer einen Stammplatz.“ Insofern war es für ihn nicht ganz einfach, dass er in der mit Nationalspielern aus aller Herren Länder gespickten Multi-Kulti-Truppe der Salzburger erst einmal auf der Ersatzbank landete. Es dauerte mehrere Monate, ehe ihm Startrainer Giovanni Trapattoni eine echte Chance gab. Diese Chance nutzte Steinhöfer – obwohl ihm gleich ein Eigentor unterlief, das ihn andererseits in Österreich schlagartig bekannt machte.

Markus Steinhöfer sicherte sich seinen Stammplatz als rechter Verteidiger mit viel Offensivqualitäten und feierte gleich in seinem ersten Profijahr die österreichische Meisterschaft. Es folgte die Qualifikation zur Champions League, wo die „Roten Bullen“ nur knapp den Sprung in die Gruppenphase verpassten und dann im Uefa-Cup in der ersten Runde gegen AEK Athen ausschieden. Hier spielte Steinhöfer sogar gegen den ehemaligen Weltfußballer Rivaldo. „International reinzuschmecken hat Appetit auf mehr gemacht,“ sagt der Weißenburger.

In der österreichischen Bundesliga konnten die Salzburger 2007/2008 nicht an die Konstanz des Vorjahres anküpfen. In der heimischen Bullen-Arena punkteten sie zwar fleißig, doch auswärts lief es selten gut. Am Ende musste man sich mit Platz zwei begnügen – hinter Rekordmeister Rapid Wien – und der deutsche Außenverteidiger war sehr enttäuscht. „Ich wäre gerne zweimal Meister geworden“, sagt Steinhöfer, der mit 32 von 36 möglichen Spielen zu den Akteuren mit den meisten Einsatzzeiten gehört.

„Ich konnte viel Erfahrung sammeln in Salzburg“, unterstreicht Steinhöfer und präzisiert diese vermeintliche Fußballfloskel auch gleich: „Gerade durch Trainer Trapattoni und dessen Assistenten Lothar Matthäus und Thorsten Fink habe ich sehr viele Tipps für die weitere Karriere bekommen. Sie achten enorm auf Kleinigkeiten. Auch taktisch habe ich viel dazugelernt“.

Von Anfang an „Gas geben“
In Salzburg konnte sich Markus Steinhöfer relativ ruhig weiterentwickeln. Er weiß aber auch, dass er künftig in Frankfurt ganz anders im Fokus stehen wird. Die Medienpräsenz ist höher, das Zuschauerinteresse ist viel größer. Drei Jahre steht Steinhöfer bei der Eintracht unter Vertrag. „Frankfurt ist auf einem super Weg. Ich habe einen total guten Eindruck von Trainer Friedhelm Funkel, der Vereinsführung und dem ganzen Umfeld.“ Der Neuzugang will von Anfang an „Gas geben“ und sich einen Stammplatz sichern. Steinhöfer: „Ich denke, in Frankfurt kann ich ganz gut in die Bundesliga reinwachsen.“ Bei den absoluten Topvereinen wäre die Konkurrenz natürlich weitaus größer. Deshalb nahm er auch die Option, zum FC Bayern zurückzukehren, nicht wahr und wechselte stattdessen für die Ablösesumme von 900 000 Euro zur Eintracht.

Mit den Hessen hofft der Mittelfranke in den kommenden drei Jahren auf den Sprung ins internationale Geschäft. Zudem will er auch bei den Bundestrainern ins Blickfeld rutschen und sich nach Möglichkeit sogar für noch höhere Aufgaben empfehlen. Der Profifußball ist seine Welt. Zwar hat Markus Steinhöfer inzwischen auch die Schattenseiten wie den Neid oder die laufende öffentliche Aufmerksamkeit zu spüren bekommen, dennoch ist es für ihn schlichtweg der „Traumberuf“, den er sich seit Schülerzeiten vorgestellt hatte. „Ich freue mich, dass ich das Ziel, Profi zu werden, mit Talent, Ehrgeiz und auch dem nötigen Glück erreicht habe. Ich erlebe in diesem Beruf so viel, das kann mir keiner mehr nehmen,“ sagt Steinhöfer.

Sehen Sie hier Tore von Markus Steinhöfer:
Steinhöfer goal vs Mattersburg

Salzburg - Rapid Wien 1:0, Markus Steinhöfer

SK Rapid - Red Bull Salzburg 1:2

Kurioses Eigentor gegen Mattersburg



Lesen Sie hier weitere Berichte über Markus Steinhöfer:
Markus Steinhöfer wechselt zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt (14.02.08, Weißenburger Tagblatt)

Markus Steinhöfer: Durchbruch bei Red Bull Salzburg geschafft (27./28.10.07, Weißenburger Tagblatt)

Markus Steinhöfer: Jungprofi mit starker Konkurrenz bei den Red Bull Salzburg (10.03.07, Weißenburger Tagblatt)

Markus Steinhöfer ist Deutscher Fußballmeister der A-Junioren (30.06.04, Weißenburger Tagblatt)

Debüt bei den Bayern-Profis: Der Weißenburger spielte jetzt mit Ballack und Co. in Ungarn (20./21.05.2004, Weißenburger Tagblatt)

Gemeinsames Traumziel: Fußballprofi werden (23.02.2004, Weißenburger Tagblatt)