Einen unten und einen oben

"Flo" Bauer (Gnotzheim) lochte im „Aktuellen Sportstudio“ auf Torwand zweimal ein

entnommen aus: Altmühl-Bote vom Dienstag, 04.09.2007

MAINZ/GNOTZHEIM (tp) – Der Gnotzheimer Florian Bauer erzielte im „Aktuellen Sportstudio“ beim Torwandschießen zwar zwei Treffer (einen unten und einen oben), doch Joel Epalle, Fußballprofi des VfL Bochum und Nationalspieler von Kamerun, konnte einmal öfter „einlochen“.

Vorab muss dem 19-Jährigen, der zum Bayernligakader der SpVgg Ansbach zählt, ein Riesenkompliment gemacht werden. Schließlich ist es alles andere als einfach, im Fernsehstudio vor rund 120 Zuschauern und – laut ZDF-Angaben – knapp drei Millionen vor den Bildschirmen Ruhe zu bewahren, um dann doch beachtliche zwei Treffer zu setzen. Über zweieinhalb Stunden dauerte die Anreise nach Mainz, wo sich Vater und Sohn Bauer nach dem Zimmerbezug, einem kleinen Imbiss und dem Gucken der „Sportschau“ auf zum „Lerchenberg“ machten – einem Stadtteil in Mainz, der fast nur aus dem ZDF besteht.

Nach der Abholung durch eine Gästebetreuerin an der Pforte des Sendezentrums (von dort wird auch täglich das „heute-journal“ gesendet) wurden die „Torwandspezialisten“ in den VIP-Raum des Sportstudios geführt. Dort wurden sie freundlich und zuvorkommend bedient, waren aber durch die zeitige Anreise die Ersten und somit allein. Florian Bauer war zu diesem Zeitpunkt noch kein bisschen aufgeregt, doch als ihn der freundliche Sendeleiter fragte, ob er im Nebenstudio noch mal üben wollte, wurde er dann doch ganz heiß auf die „Wand und die Kugel“. Nach einem halbstündigen Warm-up in dem Studio, aus dem zu bestimmten Anlässen das „ZDF-Spezial“ gesendet wird (die Kulisse war noch komplett aufgebaut), konnte Flo Bauer von den letzten sechs Versuchen fünf verwandeln (drei unten und zwei oben).

Wieder zurück im VIP-Raum trafen die beiden „Kontrahenten“ aufeinander. Der 29-jährige Kameruner, Nationalspieler in seinem Land, gab sich als überaus freundlich, ja schon fast zurückhaltend, also ganz und gar das Gegenteil eines „arroganten“ Fußballprofis. Man plauderte schon nach kurzer Zeit (anwesend waren auch noch der Pressesprecher des VfL Bochum sowie sein Berater und ein Betreuer) wie gute Freunde und Florian Bauer genoss die lockere Atmosphäre. Kurz nach 21 Uhr stellte sich „Sportstudio“-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein vor und wollte wissen, wie man als Mittelfranke Dortmund-Fan werden könne? Der 19-Jährige wusste es nicht mehr ganz genau, mutmaßte aber einen Zusammenhang mit dem Champions-League-Sieg 1997. Die „KMH“ gerufene Moderatorin „outete“ sich als Clubfan und verschwand anschließend ins Studio.

Dorthin folgten ihr dann kurz darauf alle aus dem VIP-Raum und wurden auf ihre Plätze verwiesen. Im mit Zuschauern gefüllten Studio war es angenehm warm, was den jungen Torwandschützen aber (noch) kalt ließ. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Moderatorin an alle Zuschauer und einem Hinweis für den Ablauf, ging es auch schon fast los. Nach einem kurzen „Trailer“, der einige Minuten vor der Hauptsendung schon live aus dem Studio gesendet wird und der auf das „Sportstudio“ hinweisen sollte, ging es exakt um 22.08 Uhr los. „KMH“ begrüßte als Gäste die frischgebackene Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch und eben Joel Epalle, der auch eine Goldmedaille parat hatte, war er doch mit Kamerun 2000 in Sydney Fußball-Olympiasieger geworden. Während der ganzen Sendung zeigte sich Florian Bauer ganz locker, aber innerlich stieg die Anspannung.

Kurz nach 23 Uhr gab die Moderatorin ein Zeichen und nach einem kurzen Interview und dem Einspielen des Bewerbungsfilms war es dann endlich soweit. Obwohl der Fußballprofi gleich den ersten Schuss derart „versemmelte“, dass ihm mit diesen Schuhen überhaupt kein Treffer mehr zugetraut wurde, klappte es unten doch einmal. Florian Bauer hingegen setzte die ersten beiden Versuche daneben und verwandelte den dritten unter großem Applaus zum Ausgleich. Oben jedoch überraschte der sympathische Profi mit zwei Treffern, wohingegen der Amateur unter dem tosenden Applaus des Publikums nur noch den sechsten und letzten einlochen konnte.

Hätte der Gnotzheimer gegen den Fußballprofi gewonnen, wäre sein Sieg mit einer Ausrüstung im Wert von 1500 Euro eines namhaften Outdoor-Ausrüsters belohnt worden. Sechs Treffer ließe sich eine Investmentbank 100.000 Euro kosten, doch dieses Kunststück ist bislang nicht einmal Franz Beckenbauer oder Pele gelungen. Während nach der „Live-Schalte“ die Zuschauer auf Autogrammjagd gingen, stand Florian Bauer etwas geknickt herum. Seine Stimmung besserte sich erst wieder, als ihm viele Unbekannte auf die Schulter klopften und dem ballbegabten Gnotzheimer ihre Hochachtung aussprachen. Als ihm dann noch Joel Epalle im VIP-Raum zu seinen zwei Treffern gratulierte, war für Florian Bauer die Fußballwelt fast schon wieder in Ordnung.

Bei erlesenen Häppchen und einem kleinen Umtrunk ließen die Gäste und die Mitarbeiter des ZDF-Sportstudios den für den Gnotzheimer unvergesslichen ereignisreichen Tag ausklingen.Tags darauf machten sich die Bauers wieder auf die Heimreise und freuten sich auch, dass sie einen Abend hinter die Kulissen einer beliebten Sendung schauen und sehen durften, wie Fernsehen gemacht wird.


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