Sebastian Huber: Wenn der Traum vom Fußball-Profi zerplatzt

Viele Verletzungen warfen den 24-Jährigen, der früher für den TSV 1860 Weißenburg gespielt hat, immer wieder zurück - Zuletzt beim FCN

Entnommen aus: Weißenburger Tagblatt vom 15./16.09.2007 von Jan Stephan

WEISSENBURG/GUNDELSHALM – Die Profikarriere von Sebastian Huber (zuletzt 1. FC Nürnberg) ist beendet. Der Gundelshalmer, der seine fußballerische Ausbildung beim TSV 1860 Weißenburg erhielt, will nicht länger dem großen Durchbruch hinterherjagen. Zahlreiche Verletzungen pflasterten die Laufbahn des 24-Jährigen und hinderten ihn immer wieder am ganz großen Sprung. Als am Ende der vergangenen Saison die Ärzte einen Knorpelschaden im Sprunggelenk diagnostizierten, beschloss Huber endgültig vom großen Traum der Fußballkarriere Abstand zu nehmen. Ein Abschied, der ihm überraschend leicht fällt.

Wie sieht jemand aus, dessen Traum gerade zerbrochen ist? Sicher nicht wie Sebastian Huber. Er kommt in lässigem Freizeitdress, platzt fast vor Energie und ist sichtlich gut gelaunt. Es ist erst wenige Wochen her, dass er seine Karriere als Profifußballer für beendet erklärt hat – im Alter von 24 Jahren.

Am Ende einer langen Liste von Verletzungen, die immer wieder Hubers Profiambitionen einen Strich durch die Rechnung machten, steht nun ein Knorpelschaden im Sprunggelenk des rechten Fußes – jener Fuß, in dem bereits alle Bänder durch sind und in dem die Ärzte Hubers Knochenhaut zum Flicken dieser Bänder verwenden mussten. Nach zuletzt zwei Jahren beim 1. FC Nürnberg, in denen er kein einziges Mal in einem Pflichtspiel der ersten Mannschaft zum Zuge kam, sondern in der Bayernliga-Reserve auflief, steht er nun vor dem Aus als Leistungssportler.

„Ich habe monatelang hart in der Reha gearbeitet“, erzählt der 24-Jährige, „dann habe ich den Arzt gefragt, was er mir für Chancen gibt.“ Für die Regionalliga würde er es nicht riskieren, die Gesundheit aufs Spiel zu setzen, meinte der Mediziner – und Sebastian Huber gab ihm Recht. Mehr als Regionalliga war nach der Verletzungsgeschichte des flinken offensiven Mittelfeldspielers, der sein Talent beim TSV 1860 Weißenburg entwickelt hat, nicht mehr drin. Oggersheim, Erfurt oder Koblenz hätten die letzten Strohhalme der Profikarriere geheißen.

Von Mario Basler ignoriert

Oggersheim ist Vorletzter der Regionalliga Nord, Erfurt zahlt miserabel, und das Probetraining beim Zweitligaclub Koblenz ließ Huber sausen, nachdem er hörte, dass Mario Basler dort als Assistenztrainer an­geheuert hatte. Basler hatte den 24-Jährigen bereits in seiner Zeit bei Jahn Regensburg trainiert und vor allem ­ignoriert. Unter dem früheren Bundesliga- und Nationalspieler kam er – trotz guter Trainingsleistungen – nicht zum Zug.

Das unvermittelte Ende seines Traumberufs, hat „Basti“ Huber die Laune aber nicht verhagelt. „Mir geht es wunderbar“, sagt er selbst, und so, wie er es sagt, darf man ihm das durchaus glauben. Im Moment scheint vor allem die Erleichterung zu überwiegen, dass die Zeit zwischen Fußballplatz und Rehazentrum, zwischen laufendem Vertrag und neuem An­gebot ein Ende hat. Denn Profifußball ist abseits der ersten Elf zuallererst ein harter Kampf. Gekämpft wird um Einsatzzeiten und damit um die Chance auf einen neuen Vertrag sowie die Sicherung des Lebensunterhalts.

Traum mit Schattenseiten
Der 24-Jährige scheint fast froh, dass seine vierjährige Laufbahn als Berufsfußballer nun vorbei ist. Huber: „Natürlich war es eine harte Zeit, als ich mich entschieden habe, aufzuhören. Man träumt schon als Kind davon, einmal vor 40 000 Menschen im Stadion zu spielen. Das ist jetzt vorbei.“ Das Ende eines Traums mit Schattenseiten, denn Huber erinnert sich nur zu gut an die Rückschläge: „Wenn du mit einer Verletzung wochenlang nur in der Wohnung herumhockst und dich fragst: Was habe ich falsch gemacht? Das ist Frust pur.“

Als Profi beim 1. FC Nürnberg änderte sich auch das Privatleben von Huber. „Du bist ein normaler Mensch und willst einfach mit deinen Kumpels abhängen, aber jeder interessiert sich dafür, was beim Club los ist.“ Freizeit vom Profidasein war schwierig, dabei hätte sich der Gundelshalmer genau das gewünscht. Aber Huber war eben nicht einfach Huber, sondern immer der Fußballprofi vom Club. Eine gewisse Distanz habe sich dadurch im Umgang mit Freunden und Bekannten entwickelt.

Im Moment lebt er in den Tag hinein und genießt die allein spaßorientierte Beschäftigung mit dem Fußball. Die nächsten Wochen wird er bei den ­Spielen der zweiten Mannschaft seines Heimatvereins TSV Pfofeld an der Seitenlinine stehen und dirigieren. Die Pfofelder Reserve kickt in der A-Klasse. Vom Spieler mit Erstligaambitionen hat er sich innerhalb kurzer Zeit also zum Trainer in der untersten Liga gewandelt. In Dittenheim gibt er außerdem den Aushilfs­trainer bei der Damenmannschaft. Dass er irgendwann wieder anfängt mit dem Kicken, kann er sich gut vorstellen. Den ein oder anderen Kontakt zu einem Landesligisten gibt es bereits. Wenn nicht doch noch ein Bundesligaverein kommt, will er mit dem Profifußball aber nichts mehr zu tun haben.

Den Körper eines 16-Jährigen
Nun folgt die zweite Laufbahn des 24-Jährigen. Er will die Berufsoberschule in einem Fernstudiengang abschließen. Außerdem hat er die ein oder andere Geschäftsidee im Kopf. Sein Enthusiasmus in Bezug auf sein neues Leben ist groß, wie die Sache in ein, zwei Jahren aussieht, wird man sehen. Bitterkeit über das Ende seiner fußballerischen Ambitionen empfindet er jedenfalls keine: „Ich hab’s versucht und es hat nicht geklappt.“ Sein Körper hat ihm letztlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das, was er über den Beginn seiner Laufzeit beim Regionalligisten SC Feucht sagt, gilt wohl für seine gesamte Karriere: „Ich hätte den Körper eines Mannes gebraucht, hatte aber nur den eines 16-Jährigen.“ Die schönsten Jahre als Fußballer hatte der Gundelshalmer beim TSV 1860 Weißenburg, als Kicken noch reiner Zeitvertreib war. Von der C-Jugend bis in den Herrenbereich spielte er in Weißenburg insgesamt fünf Jahre. Huber: „Das war die geilste Zeit. Da sind Freundschaften entstanden, die halten bis heute."

Zur Person: Sebastian Huber, geboren am 17. Mai 1983; Juniorenspieler beim TSV Pfofeld (bis 1997), dann Wechsel zum TSV 1860 Weißenburg (bis 2002), mit dessen A-Junioren er 2002 den Bayernliga-Aufstieg schaffte; anschließend Regionalliga-Spieler beim SC Feucht (bis 2004) und beim SSV Jahn Regensburg (bis 2005) mit insgesamt 18 Einsätzen; Saison 2005/06: Vertragsamateur beim 1. FC Nürberg II mit 30 Bayernliga-Spielen und sechs Toren; Saison 2006/07: Profi beim 1. FC Nürnberg, allerdings ohne Einsätze in der Bundesligamannschaft, sondern weiterhin Bayernliga; in der Fußball-Datenbank steht der DFB-Pokalsieg 2007 mit dem FCN als Hubers größter sportlicher Erfolg.

Lesen Sie hier:
Sebastian Huber: Mit den Club-Profis im Trainingslager in Marbella (10.01.2006, Weißenburger Tagblatt)

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Lesen Sie hier Berichte über Markus Steinhöfer, einen weiteren ehemaligen Weißenburger Spieler, der den Sprung ins Profigeschäft geschafft hat:

Markus Steinhöfer: Ein Jungprofi mit starker Konkurrenz, der sich bei Red Bulls Salzburg rundum wohl fühlt (10./11.03.07, Weißenburger Tagblatt)

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