Markus Steinhöfer: Durchbruch bei Salzburg geschafft

Der 21-Jährige hat nach gut einem Jahr bei den Red Bulls einen Stammplatz - Gegen Rivaldo gespielt

Entnommen aus: Weißenburger Tagblatt vom 27./28. Oktober 2007 von Uwe Mühling

WEISSENBURG/SALZBURG – Petra und Erwin Steinhöfer müssen noch heute schmunzeln, wenn sie die Geschichte vom ersten Fußballspiel ihres Sohnes Markus erzählen. Es war im Sommer 1989, und die sogenannten „Wichtel“ des DSC Weißenburg hatten ihren ersten Auftritt in Wettelsheim. Ein bis zwei Köpfe kleiner als alle anderen wuselte der damals gerade dreijährige Markus Steinhöfer mit. Nach einiger Zeit stand er mit den Tränen kämpfend auf dem Platz und beklagte sich bitterlich bei seinem Vater und Trainer: „Die geben mir keinen Ball, mit denen spiele ich nie mehr.“

Es kam natürlich anders: Markus spielte weiter, und obwohl er in den Nachwuchsteams des DSC fast immer der jüngste und kleinste war, wurde er sehr schnell zur gefragten Anspielstation. Das Talent machte seinen Weg über den TSV Roth, den 1. FC Nürnberg und den FC Bayern München bis zu Red Bull Salzburg. Dort ist Markus Steinhöfer seit Sommer 2006 unter Vertrag und durfte gleich in seiner ersten Saison bei den Salzburgern die Österreichische Meisterschaft feiern.

Verteidiger mit Offensivdrang
Inzwischen hat der einzige aus dem Weißenburger Raum stammende aktuelle Fußballprofi den Durchbruch im Nachbarland geschafft. Im Multi-Kulti-Team von Startrainer Giovanni Trapattoni hat der Youngster mit der Rückennummer 20 einen Stammplatz sicher. „Das war mein Ziel“, sagt Markus Steinhöfer. „Im ersten Jahr wollte ich den Sprung in den Kader schaffen, was mir ebenso gelungen ist wie nun der feste Platz in der Startelf.“

Im Normalfall spielt „Steini“, wie er auch im Verein von vielen gerufen wird, auf der rechten Abwehrseite. Er interpretiert diese Rolle aber sehr offensiv und sorgt als Pass- und Flankengeber für viele Akzente im Spiel nach vorne. Das wissen auch „Maestro“ Trapattoni und dessen Co-Trainer Thorsten Fink sehr zu schätzen. „Sie setzen auf mich“, berichtet der 21-Jährige selbstbewusst. Die Position ist ihm dabei letztlich egal. „Ich fühle mich rechts hinten sehr wohl. Die Hauptsache ist aber, dass ich überhaupt spiele.“

In den vergangenen Wochen war Steinhöfer im Dauereinsatz. Parallel zur österreichischen Bundesliga waren die Salzburger auch international gefordert, wobei es der junge Weißenburger mit einigen namhaften euro­päischen Clubs zu tun hatte. Das neue Salzburger EM-Stadion wurde beispielsweise mit einem Freundschaftsspiel gegen Arsenal London und dessen Topstars um Rosicky, van Persie und Jens Lehmann eingeweiht.

In der Champions-League-Qualifikation scheiterten Steinhöfer und Co. dann knapp und unglücklich gegen Schachtjor Donezk aus der Ukraine. Drei Minuten vor Schluss kassierten sie im Rückspiel das entscheidende Gegentor, welches das „Aus“ in der „Königsklasse“ bedeutete. Danach ging es im Uefa-Cup weiter, und zwar gegen AEK Athen und dessen brasilianischen Superstar Rivaldo. „Als ich ihn vor ein paar Jahren im Fernsehen gesehen habe, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich irgendwann gegen ihn spiele,“ erzählt Steinhöfer. Den Sprung in die Gruppenphase verpass­ten die Salzburger, nachdem sie in Athen vor 50 000 Zuschauern mit 0:3 verloren hatten. Da half auch die starke Leistung und der 1:0-Sieg im Rückspiel nicht mehr.

Dass auf europäischem Parkett jetzt ohne die „Bullen“ aus Salzburg getanzt wird, ist auch für Markus Steinhöfer bitter. Andererseits: „Für mich als jungen Spieler war es schon eine tolle Erfahrung, erstmals international richtig reinzuschnuppern.“ Und es hat Lust auf mehr gemacht. Doch jetzt gilt erst einmal der österreichischen Meisterschaft das Hauptaugenmerk. „Der erneute Titelgewinn ist natürlich unser Ziel“, sagt Steinhöfer. Er und seine Teamkollegen um Kapitän Alexander Zickler müssen derzeit einen Fünf-Punkte-Rückstand auf Austria Wien wettmachen. Dazu sie müssen u. a. am heutigen Samstag beim SV Ried unbedingt gewinnen.

Rückkehr zum FC Bayern?
Wegen der bevorstehenden Europameisterschaft 2008 in Österreich sowie im Nachbarland Schweiz – die Euphorie hält sich aufgrund der schwachen Leistungen der österreichischen Nationalelf bislang noch sehr in Grenzen – geht die Bundesliga-Saison für Red Bull Salzburg bereits Ende April zu Ende. Dann möchte Markus Steinhöfer am Residenzplatz der Festspielstadt erneut den Meisterteller in Händen halten. Ob es klappt, wird man sehen. Wie es danach weitergeht ebenfalls. Sein Zwei-Jahres-Vertrag in Salzburg endet nach dieser Runde. Danach ist die Rückkehr zum FC ­Bayern München geplant, für den Steinhöfer bereits von 2002 bis 2006 gespielt hat und mit dem er Deutscher A-Jugendmeister sowie Regionalligameister wurde.

Steinhöfer weiß natürlich, „dass die Konkurrenz bei den Bayern riesengroß ist“. Ob er sich ab Sommer 2008 tatsächlich dieser Konkurrenz stellen wird, werden die entsprechenden Gespräche ergeben. „Es macht frühestens in der Winterpause Sinn, dass wir uns zusammensetzen“, sagt er. Ziel ist in den nächsten Jahren für Steinhöfer auf jeden Fall die Bundesliga – und zwar die Deutsche. Bevor er hier landet, ist aber auch ein drittes Jahr bei Red Bull Salzburg möglich – der ist zumindest eine Art „FC Bayern light“ mit etlichen Ex-Münchnern (Fink, Zickler, Trapattoni, Niko Kovac), aber auch mit einer neuen ­Lederhosen-Kollektion, welche das „Bullen“-Team jüngst präsentiert hat.

Auch wenn Salzburg rund drei Autostunden entfernt ist, nutzt Markus fast jeden freien Tag, um nach Weißenburg zu seiner Freundin und zu seiner Familie zu fahren. Der Kontakt in seine Heimatstadt ist nie abgerissen, nicht selten mischt er sich hier auch bei Sportveranstaltungen unter die Zuschauer.

Fürs Erste wird er Dauernutzer der A 8 und der A 9 bleiben. Egal wie es dann im nächsten Jahr weitergeht: Sein großer Jugendtraum vom Profifußball hat sich für Markus Steinhöfer in Salzburg erfüllt. Zielstrebig und ehrgeizig hat er darauf hingearbeitet. Und inzwischen kann er auch nicht mehr darüber klagen, dass er den Ball nicht bekommt wie einst in seinem ­ersten Spiel für den DSC. Im Gegenteil: In vielen Begegnungen der Red Bulls – so lässt es sich in den Statistiken nachlesen – ist „Steini“ der Mann mit den häufigsten Ballkontakten.




Hier geht's zur Vereinshomepage www.redbulls.com/soccer/salzburg/

Lesen Sie hier weitere Berichte über Markus Steinhöfer:
Markus Steinhöfer: Jungprofi mit starker Konkurrenz bei den Red Bull Salzburg (10.03.07, Weißenburger Tagblatt)

Markus Steinhöfer ist Deutscher Fußballmeister der A-Junioren (30.06.04, Weißenburger Tagblatt)

Debüt bei den Bayern-Profis: Der Weißenburger spielte jetzt mit Ballack und Co. in Ungarn (20./21.05.2004, Weißenburger Tagblatt)

Gemeinsames Traumziel: Fußballprofi werden (23.02.2004, Weißenburger Tagblatt)