Neun gegen Neun?

Jürgen Zwickel diskutiert mit DFB-Präsident Theo Zwanziger über die Zukunft des Amateurfußballs

entnommen aus: Eichstätter Kurier vom 28.02.2007 von Jochen Münch

Heideck (EK) Der Deutsche Fußball-Bund hat über die Zukunft des Amateurfußballs diskutiert – und ein Heidecker war dabei: Jürgen Zwickel, A-Lizenz-Inhaber und Trainer des TSV Heideck, gehörte zur "9 gegen 9"- Gesprächsrunde mit DFB-Präsident Theo Zwanziger in Frankfurt.

Am Anfang war es reiner Zufall, dass Jürgen Zwickel in die Rolle des Experten geriet. Als DFB-Präsident Theo Zwanziger zu Jahresbeginn seinen provokanten Plan vorstellte, dass im Amateurfußball auf Kreisebene schon in naher Zukunft nur noch neun Spieler pro Mannschaft antreten, da wurde Zwickel in einer DONAUKURIER-Umfrage um seine Meinung gebeten: "Neun gegen neun? Wie soll das aussehen?", fragte er sich damals. "Fußball ist für mich elf gegen elf – und zwar von der Bundesliga bis zur untersten Klasse. Das wäre ja so, als ob man das Tor plötzlich einen Meter kleiner oder größer machen würde."

Acht Wochen sind diese Sätze alt, und in der Zwischenzeit ist Jürgen Zwickel nicht aus Zufall, sondern ganz bewusst zu einem Experten zum Thema " 9 gegen 9" geworden. In einer kleinen Anzeige hatten das Fußball-Fachmagazin kicker und der Deutsche Fußball-Bund darum gebeten, dass Trainer, Spieler oder Funktionäre ihre Gedanken zum Thema aufschreiben. "Also hab’ ich mich eine Stunde lang hingesetzt", erzählte der Trainer des TSV Heideck. "Und am Montagmorgen kam dann schon der Anruf vom kicker."

Als einer von 18 Fußballfreunden aus ganz Deutschland wurde Zwickel in die DFB-Zentrale nach Frankfurt eingeladen, wo sich DFB-Präsident Theo Zwanziger und kicker- Chef Rainer Holzschuh den Fragen stellten. Wichtigste Erkenntnis der dreieinhalbstündigen Podiumsdiskussion über die "9 gegen 9"-Pläne des Deutschen Fußball-Bundes: "Dabei geht es nicht um eine grundsätzliche, sondern um eine flexible Lösung, mit der sich der DFB auf die demografische Entwicklung in Deutschland einstellen will", sagte Zwickel .

Fußball bleibt elf gegen elf, daran habe Zwanziger keine Zweifel gelassen. Aber im A mateurfußball müsse man über Alternativen nachdenken, wenn es in einigen Jahren nicht mehr anders gehe. Wenn einzelne Mannschaften oder gar ganze Vereine mit einer Reduzierung der Mannschaftsstärke gerettet werden könnten, sollte sich der DFB nicht dagegen sperren, in bestimmten Regionen und Kreisen den Spielbetrieb in den unteren Klassen und bei den Reserven entsprechend anzupassen, so Zwanziger.

"Einige Funktionäre aus Ostdeutschland haben schon von massiven Problemen im Spielbetrieb erzählt", berichtete Zwickel. Kein Wunder, dass es beim DFB erste Überlegungen gibt, einen Projektkreis einzurichten. In Niedersachsen gebe es übrigens schon jetzt einige A-Jugend-Ligen, in denen mit verkleinerten Mannschaften gespielt wird.