Mordversuch beim Spiel SV Bad Tölz II - Olympic Geretsried

Nach der rüden Attacke gegen den Schiedsrichter ist nun der BFV gefragt
Quelle: Eichstätter Kurier vom 24.10.2005


Bad Tölz (DK) Knapp zwei Wochen nach dem Mordversuch an einem Fußball-Schiedsrichter der Gruppe Bad Tölz herrscht bei den Referees nach wie vor Bestürzung. Wie berichtet (siehe dazu auch den Bericht auf unserer Homepage Was ist nur auf unseren Sportplätzen los? Vom Kopfstoß übers entblößte Hinterteil bis hin zum Würgegriff) kam es bei der A-Klassen-Partie SV Bad Tölz II gegen Olympic Geretsried zu einem Eklat, als nach einem nicht gegebenen Handelfmeter der Geretsrieder Kapitän Vassilis I. sich mit den Worten "Ich bring Dich um" auf den Unparteiischen Willi Dörder aus Bad Wiessee stürzte und diesen am Hals würgte. Nur durch das Einschreiten zweier Spieler und eines zufällig anwesenden Schiedsrichters konnte Schlimmeres verhindert werden. Der Täter sitzt nach wie vor wegen versuchter Tötung in München-Stadelheim in Untersuchungshaft.

Vassillis Bruder Ioannis soll dem Referee dann noch in den Rücken getreten haben. Die Frage ist nun folgende: Wie wird das Urteil des Verbandssportgerichts des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) ausfallen? So lange dieses nicht gefällt ist, wird kein Schiedsrichter mehr ein Spiel von Olympic Geretsried pfeifen. Das begründet Schirichef der Gruppe Bad Tölz, Andreas Hallmannsecker aus Wall (Landkreis Miesbach) so: "Ich kann es keinem meiner Schiedsrichter zumuten, Spiele dieses Vereins zu pfeifen. Wir wollen uns auch nicht dem Vorwurf aussetzen, dass wir bei Entscheidungen gegen Olympic Rachgelüste gegen den Verein haben", sagt Hallmannsecker.

Inzwischen haben sich auch die Regelhüter der benachbarten Gruppe Weilheim solidarisch erklärt und mitgeteilt, dass auch sie keine Begegnungen mit Beteiligung von Olympic leiten werden. Spielleiter Johann Heinzl aus Brunnthal hatte daher kurzerhand das Match vom vorigen Wochenende und das Spiel für das kommende Wochenende abgesetzt.

Hallmannsecker und Verbandsschiedsrichter-Obmann Rudi Stark, hoffen nun, dass der Bayerische Fußball-Verband ein Zeichen setzt. "Den Schiedsrichter anzufassen, das ist eine Tabuzone. Daher kann es nur einen lebenslangen Ausschluss des Täters zur Folge haben", meint Stark. Gewalt gegen die Unparteiischen ist kein Einzelfall. Am vorigen Wochenende hat sich in der untersten Klasse in Unterfranken erneut ein tätlicher Angriff ereignet. Wolfgang Haucke wurde von den Spielern und Zuschauern geschlagen. Rudi Stark bangt deshalb um die Zukunft des Schiedsrichterwesen: "Uns laufen Leute weg, wenn hier nicht ein positives Zeichen im Sinne der Schiedsrichter gesetzt wird", sagt er.

Dass die Tat gegen den Wiesseer Schiedsrichter, der Würgemale am Hals, blutunterlaufene Augen sowie eine Steißbeinprellung von einem Tritt davontrug, und der psychisch immer noch nicht wieder hergestellt ist, verwerflich ist, sehen beileibe noch nicht alle ein. In einem Radiointerview äußerte sich vor einigen Tagen der Trainer von Olympic Geretsried, Sinan Karaman. Die Festnahme findet er überzogen: "Der Mann hat Familie und hat eine Existenz zu verlieren", so Karaman bei Antenne Bayern. Für solche Äußerungen haben Stark und seine Gefolgsleute wiederum kein Verständnis: "Anfassen ist Tabu und daher muss hier ein ganz klares Zeichen gesetzt werden. Denn solche Gewalttaten haben weder auf dem Fußballplatz noch sonst wo in unserer Gesellschaft etwas zu suchen." Mit Spannung wird nun das Urteil des BFV erwartet.


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