Schöffengericht zeigt die rote Karte

Attacke auf dem Spielfeld: Vierwöchiger Dauerarrest für 15-jährigen Fußballer

Entnommen aus: Eichstätter Kurier vom 14.09.2005

Ingolstadt (hri) Seine Position als Verteidiger hat ein 15 Jahre alter Fußballspieler wohl etwas zu ernst genommen. Als der junge Ingolstädter einen Mannschaftskameraden in Bedrängnis wähnte, sprang er einem gegnerischem Stürmer mit ausgestrecktem Bein in die Seite. Das 16-jährige Opfer brach auf dem Platz zusammen und erlitt erhebliche Blessuren. Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle wertete die Attacke gestern vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht als "extrem brutal" und forderte vier Wochen Dauerarrest wegen gefährlicher Körperverletzung. So lautete letztlich auch das Urteil, verbunden mit der Vorgabe für den Angeklagten, zusätzlich an einem Anti-Gewalt-Training teilzunehmen.

Besagte Begegnung hatte am 8. Juni in Rohrbach stattgefunden, wo die B-Jugend eines Ingolstädter Vereins auf das Team der JFG Ilmtal traf. Es handelte sich um ein Wiederholungsspiel, nachdem es bereits während der ersten Partie zu Auseinandersetzungen gekommen war. Die Donaustädter legten zunächst zwei Tore vor, mussten sich aber nach zwei Gegentreffern mit einem Unentschieden zufrieden geben. Das waren sie anscheinend nicht, denn im Mittelkreis entwickelte sich nach dem Abpfiff eine zunächst harmlose Rangelei zwischen einigen Spielern. Der 15-jährige Angeklagte befand sich zu dieser Zeit am Strafraum. In der Annahme, helfen zu müssen, war er auf die anderen zugelaufen und einem gegnerischen Stürmer mit den stollenbewehrten Fußballschuhen in die Seite gesprungen.

Der 16-jährige Wolnzacher klappte daraufhin bewusstlos zusammen und erlitt neben einer Gehirnerschütterung verschiedene Prellungen am Oberkörper. Noch heute leide er etwa drei Mal in der Woche an Kopfschmerzen, anfangs sei es täglich gewesen, sagte das Opfer gestern Nachmittag dem Gericht. Unmittelbar nach der Attacke habe er zudem Schlafstörungen gehabt.

Der Angeklagte wirkte ziemlich zerknirscht und bedauerte im Gerichtssaal seine Entgleisung. Er habe den 16-Jährigen nur wegschubsen und keinesfalls verletzen wollen. Vorsitzender Richter Gerhard Severin hielt ihm allerdings vor, dass ihm die Folgen seines Tuns durchaus klar sein mussten. "So auszusteigen, das hätte nicht sein müssen. Der andere hätte tot sein können, wenn du ihn am Hals oder an der Schläfe erwischt hättest. Fußballerstollen sind gefährlich", gab er zu bedenken und erinnerte an den Fall des Bundesligaspielers Ewald Lienen, dem 1981 der Oberschenkel aufgeschlitzt worden war.

Erschwerend wertete Severin die Tatsache, dass der 15-Jährige erst im Mai einen einwöchigen Arrest abgesessen hatte – ebenfalls wegen Körperverletzung. "Du hast nichts dazu gelernt, vier Wochen später bist du wieder straffällig geworden." Die Jugendgerichtshelferin berichtete dem Gericht, dass der junge Ingolstädter schon mit zehn oder elf Jahren wegen seines aggressiven Verhaltens aufgefallen war. Er sei aber nicht der typische Schläger. Er sei bei dem Vorfall auf dem Fußballplatz "einfach überfordert gewesen und hat impulsiv gehandelt."

Verteidiger Norbert Feldmeier sprach ebenfalls von einem Aussetzer und hielt beim Strafmaß einen zweiwöchigen Arrest für ausreichend. Dem folgte das Jugendschöffengericht nicht. Dem 15-Jährigen müssten die Grenzen schon aufgezeigt werden, denn "beim nächsten Mal gibt’s eine Jugendstrafe und dann sitzt du mindestens sechs Monate", gab Vorsitzender Severin dem Angeklagten mit auf den Weg.