Tor oder Eigentor?

Die Wege der UEFA sind unergründlich

Am 28.10.2004 wurde folgender Beitrag in unser Gästebuch geschrieben: "Wenn Beißer vom FC GUN am letzten Spieltag gegen Großschwarzenlohe ein Tor erzielt hat, wie es in der Torschützenliste steht, gehe ich von falschem Ehrgeiz seitens des FC aus. Ich war live vor Ort, und sah, dass sein Gegenspieler Hassler eine flache Freistoßflanke ins eigene Tor abfälschte. So steht es auch im Altmühlboten Gunzenhausen."

Dazu stellen wir fest: Die Torjägerlisten werden nach bestem Wissen erstellt. Dabei sind wir auf die Mithilfe von Spielern, Zuschauern und Vereins-Verantwortlichen angewiesen. Entweder werden uns die Torschützen des jeweiligen Spieltages per eMail übermittelt oder der Tagespresse entnommen. Zudem handelt es sich nur um eine inoffizielle Torjägerliste. Dass es hierbei immer wieder zu Fehlern oder Meinungsverschiedenheiten (Tor oder Eigentor) kommen kann, ist uns bewusst, können wir aber nicht ändern. Nachfolgender Bericht, der am Sa./So. 19./20.06.2004 im Donaukurier erschienen ist, soll auf die Schwierigkeiten mit der Definition eines Eigentores hinweisen:

„Die Wege des Herrn sind unergründlich“, tröstet die Bibel all diejenigen, die an einer Situation verzweifeln. Die Wege der UEFA sind es auch.

Offensichtlich wurde vor Beginn der EM noch nicht einmal geklärt, was eigentlich ein Eigentor ist. Der gemeine Fußball-Fan geht von der Annahme aus, ein Eigentor sei dann gefallen, wenn ein Spieler der eigenen Mannschaft einen Ball, der eigentlich neben das Tor oder ins Seitenaus (Flanke!) getrudelt wäre, so entscheidend umleitet, dass er eben ins Tor rollt.

Aber nichts ist einfach in diesem Leben, nicht einmal der Fußball. So belehrte die FIFA bei der WM 2002 in einem seitenlangen Traktat die Journalisten, dass auch die Absicht reiche, ein Tor zu erzielen, um dieses dem Absender einer „Fahrkarte“ zu kreditieren, falls ein Gegenspieler sich in den Schuss wirft. So kam Ronaldo vor zwei Jahren durch die gnädige Mithilfe eines Türken zu einem Tor, welches er allein nie und nimmer erzielt hätte.

Vielleicht ist es diese seltsame Auslegung von „Eigentor“, die die Uefa dazu verführt hat, Wayne Rooney zunächst einen Treffer gut zu schreiben, den er nie erzielt hat. Der Engländer schoss gegen den Pfosten, der Ball prallte zurück gegen den sich werfenden Ex-Gladbacher Jörg Stiel und von dessen Kopf ins Tor. Eigentlich ein „klassisches“ Eigentor, aber die Uefa gab Rooney als Torschützen an.

Das aber empfanden auch bei der Uefa einige als „klassisches“ Eigentor. Gott sei Dank gibt es bei der Europäischen Fußball-Union hinreichend Kommissionen, welche die Aktion jetzt akademisch zerlegen können und – ehrlich – noch während der EM zu einer Entscheidung kommen werden. Schließlich soll am 4. Juli der Torschützenkönig feststehen. Schließlich ist der Fußball nicht die Formel 1, wo der Sieger noch Tage später ausgewechselt wird.

Pikant und erschwert wird die knifflige Definition des Wesens eines Eigentores der Technischen Kommission durch einen anderen Vorfall. Beim Spiel Frankreich – Kroatien schoss Zinedine Zidane einen Freistoß von halblinks auf das Tor; Igor Tudor fälschte noch leicht ab. Dieser Treffer wurde als Eigentor gewertet – und damit die Kriterien, die für Rooney gegolten hatten, auf den Kopf gestellt.

Auch eine Art, Torjägerlisten zu beeinflussen. Die UEFA stellt Rankings und Koeffizientlisten en masse auf. Nur, was ein Eigentor ist, das hat sie für die Öffentlichkeit noch nicht geklärt.