142:132 für das Drei-Kreise-Modell

Entnommen aus: Altmühlbote vom Mo 12.07.04

GUNZENHAUSEN (rj) – Die vom Bayerischen Fußballverband geforderte Strukturreform spaltet den Fußball-Bezirk Mittelfranken. Mit einer knappen Mehrheit von 142:132 Stimmen entschieden die Vereinsvertreter beim außerordentlichen Bezirkstag im „Gesellschaftshaus Gartenstraße" in Nürnberg für das vom Bezirksausschuss favorisierte Drei-Kreise-Modell ab der Spielzeit 2006/07. Dieser Abstimmung war eine leidenschaftliche Diskussion vorausgegangen, hervorgerufen durch einen vom TSV Schnelldorf eingebrachten und von Rainer Reu (Kreisjugendleiter Frankenhöhe) vorgetragenen Antrag, der aus überwiegend geografischen, aber auch spieltechnischen Gründen die Aufteilung des Bezirks in vier Kreise gefordert hatte.

Uwe Kunstmann, der nach dem Tod von Hermann Vogel vom BFV kommissarisch als Bezirksvorsitzender eingesetzt worden war, hätte sich seine Premiere als mittelfränkischer Fußballchef bei einem Bezirkstag sicherlich etwas leichter vorgestellt. Die Thematik freilich hatte er sich nicht aussuchen können, und so wurde er mit einer Arbeitstagung konfrontiert, die ihm zwischenzeitlich den Schweiß auf die Stirn trieb. Aus der Versammlung kam der Vorwurf, der Bezirksausschuss habe sich zu diesem zukunftsweisenden Thema schlicht und einfach zu wenig vorbereitet.

In der Tat fehlte die Leidenschaft, mit denen die verantwortlichen Funktionäre aus dem Bezirk Mittelfranken für „ihr" Drei-Kreise-Modell hätten werben beziehungsweise Vor- und Nachteile von möglichen Alternativen aufzeigen müssen. Es fehlte die Leidenschaft, mit der Dr. Rainer Koch zuvor über die Notwendigkeit von Reformen im Fußballsport referiert hatte. „Wir müssen gewappnet sein für die großenVeränderungen in den nächsten Jahren", forderte der Vorsitzende des Verbandssportgerichts und zeigte an Hand von Beispielen und Statistiken auf, wie wichtig es ist, „schon in guten Zeiten zukunftsfähige Strukturen zu schaffen".

Auch aus diesem Grund habe der Bayerische Fußballverband vor zwei Jahren beschlossen, sich in sechs Arbeitsgruppen mit dieser Thematik zu beschäftigen. Die Ergebnisse liegen jetzt vor, einige von ihnen würden zu Änderungen der Satzung und Ordnungen führen, sofern dies beim Verbandstag am 9. Oktober in Nürnberg beschlossen würde. Zuvor freilich hatten über die von den Arbeitsgruppen ausgearbeiteten Vorschläge in den Bezirkstagen abgestimmt werden müssen. Einigkeit herrschte noch darüber, dass ein Fußballkreis im BFV zukünftig mindestens 100 und maximal 230 Vereine umfassen sollte, die mindestens eine Mannschaft für den aufstiegsberechtigten Spielbetrieb gemeldet hat.

„Die Rechnung macht durchaus Sinn", so Dr. Rainer Koch weiter, entstand sie doch aus der Formel 7 x 14 (pro Kreis eine Kreisliga, zwei Kreisklassen und vier A-Klassen zu je 14 Mannschaften). Ein Spielbetrieb, der darunter liege, mache eben aus demografischen Gesichtspunkten keinen Sinn. „Wie dann letztlich die Kreise aussehen sollen, ist nicht die Aufgabe des Verbandes, sondern die Aufgabe der Bezirke", ließ Koch durchblicken. Aber gerade dies ist der Punkt, der beim Bezirkstag zu hitzigen Debatten führte. Der Fußballkreis Frankenhöhe wehrte sich gegen das im Bezirksausschuss bereits einstimmig abgesegnete Modell mit drei Kreisen, das die Zusammenlegung der bisherigen Kreise Jura und Neumarkt (insgesamt 191Vereine), Pegnitzgrund und Erlangen-Forchheim (185) sowie Frankenhöhe und Nürnberg-Fürth (239) zu in etwa drei gleich große Einheiten vorsieht. Als weiteren Vorteil nannten die Verfechter dieses Modells die Möglichkeit, den Spielbetrieb trotz der Verschmelzung der Kreise ab der Saison 2006/07 in etwa so weiter zu führen wie bisher. Also: Es sollen pro Kreis zweiKreisligen bestehen bleiben, die bei einer derartigen Strukturreform befürchteten „Nebenwirkungen" (zum Beispiel verschärfter Abstieg) blieben aus. Das Modell wurde übrigens im Bezirk Oberpfalz mit überwältigender Mehrheit abgesegnet. Im Bezirk Mittelfranken jedoch regte sich Widerstand aus dem Kreis Frankenhöhe, der als ohnehin flächenmäßig größter Kreis unter allen Umständen die Verschmelzung mit dem Kreis Nürnberg-Fürth vermeiden möchte. Im Antrag wurden in erster Linie geografische Gesichtspunkte und strukturelle Unterschied der beiden Kreise aufgeführt. Im Antrag wurde ein mögliches Modell mit vier Kreisen zur Abstimmung gebracht: Kreis I Nürnberg-Fürth und Pegnitzgrund (180 Vereine), Kreis II Erlangen-Forchheim (119), Kreis III Jura und Neumarkt (191) und Kreis IV Frankenhöhe (125). Auch hier, so heißt es im Antrag, könne in den neuen Kreisen, die aus zwei alten gebildet werden, übergangsweise mit zwei Kreisligen gespielt werden, mittelfristig sollte aber aus sportlichenGesichtspunkten nur eine Kreisliga pro Kreis erstellt werden.

Das Vier-Kreise-Modell könnte aber Ausgangspunkt sein für eine ganz andere Denkweise. „Wenn schon eine Reform, dann aber richtig", so der Tenor einiger Wortmeldungen. Wesentlicher Bestandteil dieser Überlegungen ist die Aufteilung des Bezirkes in vier in etwa gleich große Kreise. Unter Berücksichtigung geografischer Forderungen müssten dann aber Verschiebungen von Vereinen in andere Kreise sein, was sicherlich auch nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen dürfte und auch einer weit gründlicheren Vorbereitung bedarf, als bislang geschehen.

Abgestimmt wurde daher nur über die beiden konkreten Vorschläge. Drei Wahlgänge waren dafür nötig, zwei waren ungültig. Beim dritten schaltete sich Dr. Rainer Koch ein und durfte dann ein sehr enges Ergebnis verkünden. Ursprünglich hatten von 615 Vereinen im Bezirk 304 einen stimmberechtigten Vertreter nach Nürnberg entsandt. 21 von ihnen suchten offensichtlich entnervt das Weite, so dass lediglich 283 Stimmen abgegeben wurden. Neun davon waren ungültig. Für das Drei-Kreise-Modell stimmten 142,für den Antrag des TSV Schnelldorf nur 132 Anwesende. Das Ergebnis fiel schon etwas überraschend aus, war doch der Kreis Frankenhöhe mit 76 Stimmberechtigten zahlenmäßig am besten vertreten.

Das sollte aber nicht die einzige Kampfabstimmung an diesem Abend bleiben. Auch der Vorschlag des BFV, wonach alle Vereine in Zukunft die Wahl haben sollten, ihre zweite Mannschaft für den aufstiegsberechtigten Spielbetrieb zu melden, rief eine intensive Diskussion hervor. 120:115 Vereinsvertreter sprachen sich letztlich gegen den „schleichenden Tod" des klassischen Reservespielbetriebs aus. Aber die Abstimmung dient nur als Empfehlung. Wie die anderen Bezirke zu dieser Thematik stehen, wird man erst am Verbandstag sehen. Ansonsten gab es (fast) nur Zustimmung für die Vorschläge der Arbeitsgruppen. In zwei Punkten aber bekam Dr. Rainer Koch eine Absage aus Mittelfranken. Auf die Frage nämlich, ob in Zukunft die Beisitzer von Schiedsrichtergruppen, Jugendgruppenspielleiter und Gruppenspielleiter vom Präsidium berufen oder weiterhin in den Kreisen gewählt werden sollen,sprach man sich klar für die Wahl aus. Auch der Vorschlag, dass die Verbandsperiode künftig auf fünf Jahre (bisher vier) ausgedehnt werden solle, wurde klar abgeschmettert.