Wildschweine verwüsten den Fußballplatz in Hausen

Donaukurier, Mittwoch, 5.11.2003, von Martin Schwarzott

Greding (mot) Sie sind Feinschmecker. Wenn sie die Wahl haben, nehmen sie nur das Beste vom Besten: frische Eicheln, milden Mais, zarte Larven. Und: Sie kommen nachts. Wenn niemand sie hört und bei ihrem lautstarken Gelage stören kann. Denn Wildschweine fressen nicht, sie wüten. Brechen mit ihren kapitale Hauern den Boden auf, dass die Krume nur so fliegt. Selten jedoch so schlimm wie am Sportplatz des Freizeitsportvereins Hausen. Drehen sie sonst mal hier, mal da die Wiese um, haben sie am Beginn des Kühbachtals reinen Tisch gemacht und nur den einen oder anderen Quadratmetter unberührt gelassen · und sonst alles umgepflügt.

"Wir müssen den ganzen Platz neu anlegen", sagt Josef Lang, der Vorsitzende des Hausener Freizeitsportvereins. Im Frühjahr sollen die Schäden beseitigt, der Boden gefräst und neuer Rasen angelegt werden. Lang rechnet mit insgesamt etwa 1000 € Kosten, "wenn man bedenkt, dass wir bestimmt ein halbes Jahr lang nicht Fußball spielen können". Fraglich bleibt, ob die Wildschweine jetzt, wo sie einmal auf den Geschmack gekommen sind, im nächsten Herbst nicht wiederkommen.

Dann, wenn die Felder abgeerntet sind. "Die haben Pilze gesucht, also Eiweiß", ist sich Lang sicher. Wenn die Delikatesse auch auf dem neuen Sportplatz wächst, könnte es gut sein, dass sich die schlauen Wildschweine daran erinnern.

Bisher hatten sie den Platz in Ruhe gelassen. Doch die Wildschweine breiten sich immer mehr aus, was am besten die Zahlen der Jäger belegen: In der vergangenen Jagdsaison erlegten die bayerischen Waidmänner 55 000 Schwarzkittel · 1980/81 waren es noch lediglich 3000. Immer neue Lebensräume nehmen sie in Besitz und kommen damit auch in immer neue Gebiete.

"Und wenn die einmal da sind, dann pflügen die immer weiter", sagt Karl Binn, der Jagdvorsteher von Hausen. Er vermutet, dass die Tiere nicht Pilze, sondern wilde Gelberüben gesucht haben. "Eigenartig ist nur, dass sie nicht auch in die anderen Wiesen gehen. Hoch Richtung Wald sind doch noch mehr."

"Machen können wir da gar nichts"
Binn gibt sich ähnlich entspannt wie Lang: "Machen können wir da gar nichts." Und auch Markus Loy, Sachgebietsleiter für Jagdrecht am Landratsamt, macht den Hausenern wenig Hoffnung, das Problem in den Griff zu bekommen. Verschiedene Faktoren kämen zusamnmen: das angrenzende Naturschutzgebiet Kühbachtal, das Verbot der Jagd auf einem Sportplatz, dann die Unberechenbarkeit der Wildschweine, die ständig umherzögen. "Das Problem ist nicht einfach mit gutem Willen zu beseitigen", sagt Lang. Gefragt sind letztlich alle Jäger in der Umgebung · sie müssen den Schweinen auf die Schwarte rücken.

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