Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung vom 10.11.2003

Rutscht der Hang des TV-Geländes vor Gericht?

Vorstand des TV 06 Thalmässing eröffnete seinen Mitgliedern die Folgen der Rutschgefahr an der Böschung
Gutachten hatte Nichteignung des Bodens festgestellt - Bürgermeister hat sich für das Gelände stark gemacht

THALMÄSSING (wr) Wegen Abrutschgefahr der Böschung am Sportgelände des TV 06 Thalmässing hatte der Vorstand seine 1044 Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung in den Gasthof "Zur Krone" eingeladen, der jedoch zur Enttäuschung des Vorstands nur 27 Mitglieder gefolgt waren. Mit nur einer Gegenstimme votierten die Stimmberechtigten nach intensiver Aussprache für den Antrag des Vorstands, die Bauausführung am Sportgelände einer Rechtsprüfung unterziehen zu lassen, um bei Erfolgsaussicht weitere gerichtliche Schritte einleiten zu können.

Vorsitzender Fritz Schröder wies anhand eines Rückblicks nach, dass die Suche nach einem geeigneten Sportgelände in Thalmässing in Grundzügen der "unendlichen Geschichte" entspricht. Als schließlich oberhalb der Badstraße ein Gelände zur Verfügung gestanden habe, hätten die Experten dort vom Bau eines Sportplatzes grundsätzlich abgeraten, weil ein Gutachten vom Mai 1990 die Nichteignung des Bodengrundes festgestellt hatte. Andernfalls wären zur Absicherung des Geländes Zusatzkosten in Höhe von 350' bis 450000 DM notwendig geworden.
Ein Planungsstopp und die erneute Suche nach geeigneten Alternativen sei die Folge gewesen. Allerdings habe sich kein geeignetes Gelände finden lassen und sich der Bürgermeister für das Gelände oberhalb der Schule stark gemacht. Den geologischen Bedenken seien die Planer mit aufwändigen Sicherungsmaßnahmen begegnet, und der Marktrat habe per gesondertem Beschluss das finanzielle Risiko der Hangsicherung übernommen.
Auf diese Weise sei laut Schröder der Verein 1997 bei einer Investitionssumme von 1.109 Millionen Mark zum "wohl teuersten Sportplatz Bayerns" gekommen. Leichte Hangabneigungen im Dezember 1998 seien im folgenden Frühjahr noch über Gewährleistungsansprüche reguliert worden.
Starke Regenfälle im März 2002 hätten aber erhebliche Schäden an der aufgeschütteten Böschung am Nordrand des Platzes verursacht und nach technischer Begutachtung durch das Ingenieurbüro Klos den Einbau von sechs Stützkörpern - geschätze Kosten: 27.000 Euro - notwendig gemacht.
Ein neueres Gutachten der geologischen Verhältnisse vor allem an der nördlichen Hangseite durch das Ingenieurbüro für Erd- und Grundbau Dr. Johann Spotka habe sogar den Einzug von 13 Stützkörpern - mit Mehrkosten von 60' bis 73000 Euro erforderlich werden lassen.
Mit dem finanziellen Aufwand habe der Vorsand niemals rechnen können. Für das "Sechs Stützkörper-Projekt" habe man schon einen Finanzierungsplan mit Zuschüssen des BLSV gehabt und sich gute Aussichten für eine Genehmigung eingeräumt. Mit dem neuen Investitionsbedarf sei diese Planung weitgehend überholt. Außerdem hätte man mit dem ersten Konzept auf Gewährleistungsansprüche verzichten und damit die Firma Klos aus der Verantwortung entlassen müssen.
Mit der neuen Kostenschätzung müsse man sich fragen, ob nicht das Ingenieurbüro Klos, das die Bauausführung des Sportplatzes damals überwacht habe, im Drainagebau Fehler zugelassen habe und darin heute die Ursache für das Abrutschen des Hanges zu suchen sei. In diesem Fall sei die Firma Klos für den festgestellten Schaden verantwortlich, was diese jedoch im Hinblick auf die Eignungsproblematik des Gesamtgeländes entschieden zurückweist.
Damit werde nach Auffassung des Vorstandes des TV ein Rechtsstreit kaum vermeidbar.

Mit dem angestrebten Beschlussantrag wollte der Vorstand sich freie Hand geben lassen, nach einer kostenfreien Rechtsprüfung durch den BLSV und bei Aussicht auf Erfolg eine gerichtliche Klärung der Schadensursache herbeizuführen. Die Gesamtproblematik werde noch erschwert durch den Umstand, dass die Marktgemeinde zwar das Risiko der Hangsicherung übernommen habe, aber von einem Einschluss der nördlichen Böschung, wo der Schaden aufgetreten ist, nach Schröders Angaben nichts wissen will. Bei Fortschreiten der geologischen Beeinträchtigungen drohe dort das Fundament des mittleren Flutlichtmastens freigelegt zu werden und könnte deswegen ein akutes Sicherheitsproblem entstehen.
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