Von der untersten Klasse bis in den bezahlten Fußball

Franz Schreiner von Kameradschaft und Sportgeist angetan / Sportlerportrait

Entnommen aus: Donaukurier vom Di 28.10.03 von Helmut Lutz

Eichstätt (lu) Es hat schon ausgesprochenen Seltenheitswert, wenn ein hoch talentierter Fußballer gerade dann einen Rückzieher macht, wenn er gutes Geld für seine Künste auf dem grünen Rasen verdienen könnte. Den Bechthaler Franz Schreiner, der wie kaum ein anderer Kicker aus unserem Verbreitungsgebiet die Fußballplätze aus den Niederungen der untersten Klasse bis hinauf in den bezahlten Fußball kennt und der für diese Sportart von früher Jugend an mit Begeisterung leibt und lebt, ließen die pekuniären Verlockungen freilich kalt.

Über den A-Klassisten DJK Titting und den Bayernligisten MTV Ingolstadt war das Ausnahmetalent 1988 zur SpVgg Unterhaching gestoßen, die sich nach einem kometenhaften Aufstieg von der C-Klasse aus gerade anschickte, hinter dem übermächtigen FC Bayern München die zweite Fußballmacht in München zu werden · nachdem der TSV 1860 München zwischen 1982 und 1993 geschlagene zehn Jahre lang in der Dritten Liga dümpeln musste. 68 Mal ist der Bechthaler in den Jahren 1988 bis 1992 im rot-blauen Trikot des ehemaligen Dorfvereins aufs Spielfeld gelaufen und schaffte unter Trainer Karsten Wettberg zwei Mal die Bayernliga-Meisterschaft und schließlich unter Jürgen Sundermann gar den Aufstieg in die zweite Bundesliga. In 16 Spielen ist er in der zweithöchsten deutschen Spielklasse für die SpVgg Unterhaching auf dem grünen Rasen in Aktion getreten. Wie seine Mitspieler war Franz Schreiner, der mit seiner Familie in Raitenbuch wohnt, lupenreiner Amateur, mit wöchentlich viermaligem harten Training aber eben auch geregelter Arbeit.

Als man sich dann freilich bei den Unterhachingern entschloss, auf Vollprofi umzustellen, da war für den Abteilungsleiter bei der Kreissparkasse München Schluss mit lustig. Er wechselte in der Saison 1992/1993 zum Landesligisten ESV Ingolstadt und schaffte ein Jahr später, nun allerdings im Trikot des Lokalrivalen MTV, den Aufstieg in die Bayernliga.

Für den 1964 in Bechthal geborenen Franz Schreiner, der im idyllischen Anlautertal zusammen mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs, begann der Start in eine ungewöhnlich erfolgreiche Fußballkarriere recht unspektakulär: Täglich drei Stunden Fußball mit gleichgesinnten Freunden und erfolgreiches Schusstraining am elterlichen Garagentor weckten bei dem kleinen Franz bald den Wunsch nach mehr. Weil sein Vater Georg zu jener Zeit Vorsitzender der DJK Titting war, führte denn auch der Weg des 13-Jährigen 1977 schnurstracks in die C-Jugendmannschaft dieses Vereins, wo schon bald das Riesentalent des Nachwuchsspielers erkannt wurde, das dann in den Jahren 1982 bis 1984 in der Tittinger A-Klassenmannschaft, die damals der Eichstätter Hans Eder trainierte, so sehr zum Tragen kam, dass schnell höherklassige Vereine auf das hochgewachsene Talent aufmerksam wurden.

So klopfte bald der Nürnberger Club bei dem 18-Jährigen an, doch letztendlich machte der MTV Ingolstadt das Rennen. Mit ihm konnte Franz Schreiner Landesliga- und Bayernligaerfahrung sammeln, ehe er 1988 zur SpVgg Unterhaching wechselte. Nach seiner Zeit in Haching und in der Schanz gab Franz Schreiner, dessen Stärken im offensiven Mittelfeld lagen, in den Jahren 1994 und 1995, seinem Heimatverein, der DJK Titting, noch einmal in der A-Klasse Rückhalt und wechselte dann in den folgenden beiden Jahren noch einmal zum Landesligisten MTV Ingolstadt, ehe er in den Jahren 1997 und 1998 als "Heimkehrer" der DJK Titting maßgeblich zum Wiederaufstieg in die A-Klasse Jura verhalf.

Nachdem er in den Jahren 1998 bis 2001 als Spielertrainer beim VfB Eichstätt tätig gewesen war und mit ihm den Aufstieg in die B-Klasse geschafft hatte, versuchte es der Raitenbucher als Trainer in der Fußballsaison 2001/2002 drei Klassen höher beim Bezirksoberligisten TSV 60 Weißenburg, ehe er sich von einer Sportart verabschiedete, von der er behauptet, dass sie wie kaum eine andere geeignet ist "echte Kameradschaft und Sportgeist" zu vermitteln.

Zwei Jahre zweite Bundesliga, fünf Jahre Bayernliga, je dreieinhalb Jahre Landesliga und A-Klasse sowie je ein Jahr Bezirksoberliga, B- und C-Klasse sind die beeindruckende Bilanz Franz Schreiners, der als Fußballer vier Mal mit seiner Mannschaft Aufstieg feiern durfte, allerdings auch zwei Mal den Abstieg nicht verhindern konnte. Nach erfolgreichen Jahren als Fußballer nimmt der 39-Jährige, der auch heute noch mit den Idealmaßen 180 Zentimeter / 73 Kilogramm aufwarten kann, Abschied vom runden Leder, um sich endlich voll seiner Familie widmen zu können. Freilich, ganz wird den begeisterten Fußballer, der immer noch beste Kontakte zur SpVgg Unterhaching pflegt, sein Lieblingssport, den er 26 Jahre lang begeistert betrieb, wohl nicht loslassen, zumal er sich als Trainer zuletzt kaum weniger engagiert zeigte wie ehedem als aktiver Spieler.

Lesen Sie in unserem Archiv:
Franz Schreiner wechselt vom VfB Eichstätt zum TSV 1860 Weißenburg
(15. April 2001) Bericht auf der Homepage der DJK Raitenbuch
(20. April 2001) Weißenburger Tagblatt
(20. April 2001) Eichstätter Kurier
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